Wenn es um Unternehmensgründungen geht, stehen häufig digitale Geschäftsmodelle, Finanzdienstleistungen und neue Technologien im Mittelpunkt. Dass dabei das klassische Handwerk nicht zu kurz kommen darf, betonte der Odenwälder Wirtschaftsdezernent Kevin Schmauß bei einem Besuch der neu gegründeten Schreinerei Gröner Rasewsky in Unter-Mossau. „Wir sprechen viel über Start-ups und innovative Technologien. Dabei ist gerade das Handwerk das Rückgrat unserer Wirtschaft im ländlichen Raum. Deshalb müssen wir auch diejenigen im Blick behalten, die sich mit einem eigenen Handwerksbetrieb selbstständig machen“, so Schmauß.
Ein wichtiger Schritt sei die Entscheidung der hessischen Landesregierung gewesen, die Meisterausbildung finanziell zu entlasten. Durch die Aufstiegsprämie von 3.500 Euro können in Verbindung mit dem Aufstiegs-BAföG die Kosten der Meisterausbildung in der Regel vollständig ausgeglichen werden. „Damit hat die Landesregierung eine lange bestehende Ungleichbehandlung zwischen akademischer und beruflicher Bildung angegangen. Wer sich für das Handwerk entscheidet und seinen Meister macht, sollte finanziell nicht schlechter gestellt sein als jemand, der studiert“, betonte Schmauß.
Zwei Schreinermeister wagen den Schritt in die Selbstständigkeit
Seit dem 1. April 2026 führen Willi Gröner und Cyrill Rasewsky gemeinsam ihre Schreinerei. Bei seinem Besuch sprach Schmauß mit den beiden Schreinermeistern über ihren Start in die Selbstständigkeit, die ersten Erfahrungen und ihre Pläne für die Zukunft.
Gute Voraussetzungen fanden die beiden in den Räumlichkeiten der ehemaligen Schreinerei Neff. Dort konnten sie eine bereits eingerichtete Werkstatt mit Maschinen und der notwendigen Infrastruktur übernehmen. Während in den ersten Monaten vor allem der Aufbau des Betriebs und die Gewinnung neuer Kunden im Mittelpunkt standen, füllen sich die Auftragsbücher mittlerweile kontinuierlich.
Zum Angebot gehören individuelle Möbel und maßgefertigte Lösungen für den Innenausbau. Dazu zählen unter anderem Küchen, Esstische, Einbauschränke, Sideboards und komplette Schlafzimmerausbauten. Dabei setzen Gröner und Rasewsky auf handwerkliche Qualität und die Umsetzung persönlicher Kundenwünsche.
Die beiden Unternehmer kennen sich aus früheren beruflichen Stationen und entschieden sich schließlich, gemeinsam den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Willi Gröner absolvierte Teile seiner Ausbildung in Garmisch-Partenkirchen und sammelte dort weitere Erfahrungen im Schreinerhandwerk. Cyrill Rasewsky war unter anderem als Ausbilder und in einer Geschäftsleitung tätig.
Gröners Ausbildungsstation in Garmisch-Partenkirchen nahm der Wirtschaftsdezernent zum Anlass, auch die Entwicklungsmöglichkeiten des Odenwaldkreises anzusprechen. „Wir haben im Odenwald eine lange Tradition in der Holzverarbeitung und viele leistungsfähige Handwerksbetriebe. Unser Ziel muss es sein, den Odenwaldkreis zu einem ähnlichen Kompetenzzentrum für Holz zu entwickeln wie es Garmisch-Partenkirchen ist“, so Schmauß.
Ausbildung als Ziel für die Zukunft
Künftig möchten Gröner und Rasewsky auch selbst ausbilden. Die Anforderungen an die notwendige Infrastruktur und weitere Vorgaben machen es jungen Betrieben allerdings nicht leicht, dieses Vorhaben direkt umzusetzen. Hinzu kommen die finanziellen Risiken und Verpflichtungen, die mit einer Unternehmensgründung verbunden sind. Entlastungen für Neugründer, beispielsweise bei den Mitgliedsbeiträgen der Handwerkskammer in der Anfangszeit, könnten aus Sicht der beiden Unternehmer eine Hilfe sein.
Für Wirtschaftsdezernent Schmauß zeigt der Besuch, wie wichtig es ist, junge Handwerksbetriebe bei ihrem Start zu unterstützen. „Die beiden haben den Mut, etwas Eigenes aufzubauen und Verantwortung zu übernehmen. Solche Gründungen brauchen wir im Odenwald. Umso wichtiger ist es, dass wir jungen Unternehmern keine unnötigen Steine in den Weg legen.“
