Ob die 7.500 Quadratmeter große Holz-Fassade des Alnatura-Logistikzentrums in Groß-Rohrheim, eine 30 Quadratmeter große Terrasse am Einfamilienhaus, ein zehn Meter langer Zaun im Garten oder ein 37 mal 37 Zentimeter großer Blumenkasten – das Sägewerk Scior in Hüttenthal geht auf jeden Kundenwunsch gleichermaßen ein. „Wir versuchen mit unserem fundierten Know-how in Sachen Holz alles möglich zu machen“, erläutert Geschäftsführer und Inhaber Wolfgang Scior seinen Gästen aus dem Kommunalen Job-Center (KJC).
Tobias Obenauer vom Arbeitgeberservice des KJC und die Teamverantwortlichen Veronika Belfiore-Aßmann (Team U25), Andrea Kracht (Team 50+) und Luke Jochim (Eingliederung) haben sich in der Reihe ihrer Unternehmensbesuche am gestrigen Donnerstag (29.10.) ein Bild von dem Sägewerk gemacht, um sich auch dort vorzustellen und Chancen für Arbeitsmöglichkeiten auszuloten.
Ein Beispiel wäre eine geförderte Einstiegsqualifizierung für jüngere Leute, die bis zu einem Jahr dauern kann, wie Belfiore-Aßmann schildert. „Das ist quasi wie ein längeres Praktikum.“ Scior zeigt sich grundsätzlich offen dafür. „Wichtig ist, dass Interessenten zuverlässig sind und in Mathematik nicht raten müssen.“
Zurzeit arbeiten in den Werkstatthallen fünf und im Büro drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, in Voll- wie in Teilzeit. „Holzbearbeitungsmechaniker“ heißt der Beruf in der Produktion. „Früher hieß das mal ,Sägewerker‘“, sagt Scior. Diesen Beruf hat er auch selbst gelernt. Den 1902 gegründeten Familienbetrieb führt er seit mehr als 30 Jahren. Auch Schlosser kann er im Prinzip gut gebrauchen. Vor kurzem ist seine Tochter, eine Kauffrau, mit ihrem Partner, einem Zimmermann, zurück in den Odenwald gekommen. Das freut Wolfgang Scior persönlich – aber auch mit Blick auf die Zukunft seines Betriebs. „Ich bin jetzt 63 Jahre alt, da muss ich auch daran denken.“
Spezialisiert hat sich das Sägewerk auf die Verarbeitung von widerstandsfähigem Robinien-Holz. Als einziger Hersteller fertigt es für Terrassen eine Unterkonstruktionen mit speziell entwickelten Auflagestegen an, die gebrauchsmusterrechtlich geschützt sind. Für die Alnatura-Logistikzentrale hat das Sägewerk die einzelnen Fassadenteile angefertigt und geliefert, das Unternehmen montiert aber Fassaden auch selbst. Rund 80 Prozent der Kunden sind Privatleute, 20 Prozent Händler, wie Scior sagt.
Investiert hat er jüngst in Maschinen, aber auch in Photovoltaikanlagen, die 46 Prozent des Strombedarfs decken, und in elektrisch fahrende Gabelstapler. Auch die dauerhafte Werbung ist ein wichtiger Posten. Mit dem laufenden Geschäftsjahr ist Scior zufrieden. Im Wettbewerb mit Sägewerken aus dem Ausland zählt ihm zufolge „nicht zuletzt die Bereitschaft und die Kompetenz, auch für spezielle Kundenwünsche gute Lösungen zu entwickeln“.
Beim Firmenrundgang schildert er einzelne Fertigungsschritte – zum Beispiel das Hobeln von Holz und die Verleimung von vorher speziell gefrästen Holzbohlen in der sogenannten Keilzinkenverbindung, so dass lange Bauteile entstehen.
„Es ist schön zu sehen, wie vielfältig die beruflichen Möglichkeiten in der Region sind, auch hier im Sägewerk Scior“, hebt Tobias Obenauer hervor, der für das Kommunale Job-Center den Kontakt zu Unternehmen hält. Und für Wolfgang Scior trägt der Besuch dazu bei, die Verbindung zum KJC zu stärken. „Jetzt habe ich konkrete Ansprechpartner und das Job-Center ist kein anonymes Amt mehr“, sagt er. Sollte es zu einer Zusammenarbeit kommen, sind die Weichen für kurze Wegen und konkrete Chancen also gestellt.
