Berufsorientierung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die bereits in der frühen Kindheit beginnt und nur durch das Zusammenwirken aller Bildungsakteure erfolgreich gestaltet werden kann. Diese zentrale Erkenntnis prägte die diesjährige Bildungskonferenz des Odenwaldkreises, die am 3. November unter dem Titel „Bildungsübergänge gemeinsam gestalten“ im Haus der Energie/Volksbank-Atrium stattfand. Dazu eingeladen hatte das Bildungsmanagement des Odenwaldkreises und die OloV-Koordination.
In einem internen Teil standen die strategische Zusammenarbeit der Bildungsakteure im Rahmen des Projekts Bildungskommunen, aktuelle Entwicklungen beim Übergang von der Schule in den Beruf sowie die Weiterentwicklung der regionalen OloV-Strategie im Mittelpunkt. Ebenso wurde die Kooperation zwischen internen und externen Bildungsakteuren verfestigt. Der öffentliche Teil widmete sich mit einem Vortrag des renommierten Neurowissenschaftlers und Psychiaters Prof. Dr. med. Dr. phil. Manfred Spitzer der Frage, wie Erkenntnisse aus der Gehirnforschung die Berufsorientierung von Kindern und Jugendlichen unterstützen können.
In seiner Begrüßung hob der Erste Kreisbeigeordnete Oliver Grobeis hervor, dass die für Bildung verantwortlichen Stellen des Kreises immer mehr zusammengewachsen sind. „Sie alle sind die Antriebsräder im System Bildung, wovon alle Akteure und vor allem die Bürgerinnen und Bürger direkt profitieren. Damit können wir in erster Linie jungen Menschen Perspektiven bieten.“
Die zuständigen Mitarbeitenden arbeiten seit dem vergangenen Jahr im „Haus der Bildung und Beratung“ unter einem Dach. Dies ermöglicht kurze Wege und schafft wertvolle Synergien für eine noch effizientere Zusammenarbeit aller Beteiligten. „Es ist schön zu sehen, wie die Pflanze ‚Haus der Bildung und Beratung‘ immer weiterwächst, gedeiht und sich entwickelt“, so Grobeis.
„Kinder und Jugendliche bei Berufsorientierung nicht alleine lassen“
Im internen Teil der Konferenz berichtete Dr. Ilona Agoston, Leiterin des Bildungsmanagements, über Meilensteine der strategischen Zusammenarbeit in der Bildungslandschaft Odenwaldkreis und wies auf die Bedeutung der Schwerpunkte Übergang Schule-Beruf und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) hin.
„Mit dem heutigen Thema Berufsorientierung möchten wir einen kollektiven Nerv treffen, denn die Berufsorientierung der jungen Menschen geht uns alle an: Nicht nur die Jugendlichen selbst, sondern auch Eltern, Großeltern, Lehrer, Sozialpädagogen und viele Ämter. Wir können unsere Kinder und Jugendlichen bei diesem entscheidenden Wendepunkt in ihrem Leben nicht allein lassen“, so Agoston.
Anschließend präsentierte Marius Trautmann vom Bildungsmonitoring Odenwaldkreis Zahlen und Fakten zum Übergang von der Schule in den Beruf. Anja Mühlhäuser von der Regionalen OloV-Koordination sprach über die Neuauflage der OloV-Strategie und gab einen Bericht aus der Praxis. Die hessenweite Strategie OloV wird von der Europäischen Union sowie aus Mitteln des Hessischen Wirtschafts- und des Hessischen Kultusministeriums gefördert.
Danach wurden erneut Kooperationsvereinbarungen der verschiedenen Bildungsakteure unterzeichnet, um deren Zusammenarbeit weiter zu stärken: zum einen für das Projekt Bildungskommunen Odenwaldkreis und zum anderen für die regionale OloV-Strategie.
Berufsorientierung fängt bereits in der frühen Kindheit an

In dem für die Öffentlichkeit zugänglichen Teil der Bildungskonferenz teilte Spitzer mit dem interessierten Publikum aktuelle und spannende Studienergebnisse. Sein Vortrag trug den Titel „Erfahrung, Entwicklung, Entscheidung – Gehirnforschung und praktische Erkenntnisse zur Berufsorientierung“.
Mit seinem Statement „Berufsorientierung fängt bereits bei der Geburt an“ machte er gleich zu Beginn neugierig auf die folgenden 90 Minuten. Der Festsaal war mit über 200 Gästen vollständig belegt, sodass weitere 70 Interessierte per Live-Schaltung am Vortrag im Haus der Energie teilnahmen. Das belegt eindrucksvoll die Relevanz des Themas sowie die Strahlkraft des Referenten Spitzer, der zudem diverse Bestseller veröffentlichte.
Spitzer gab auf anschauliche und verständliche Art konkrete praktische Hinweise, wie Eltern, Lehrkräfte und Bildungseinrichtungen die Berufsorientierung von Kindern und Jugendlichen fördern und gezielt unterstützen können. Auch für Fragen aus dem Publikum nahm sich der Wissenschaftler Zeit.
Das bunt gemischte Publikum, zu dem zahlreiche Lehrkräfte, Erziehende, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler gehörten, konnte von dem Vortrag und den neuesten nationalen und internationalen Studienergebnissen aus der Gehirn- und Bildungsforschung profitieren.
Die Bildungskonferenz machte damit deutlich: Erfolgreiche Bildungsübergänge entstehen dort, wo Wissen, Erfahrungen und Kompetenzen zusammengeführt werden – und wo alle Beteiligten gemeinsam Verantwortung für die Zukunft junger Menschen übernehmen.
