Jugendamt sucht Menschen, die Kindern ein neues Zuhause geben möchten

Kindern einen sicheren Lebensort mit stabilen Strukturen geben – das war zwei Jahrzehnte lang eine Herzenssache für Brigitte Jung aus Mossautal. Gemeinsam mit ihrem Mann Günter nahm sie als Pflegemutter rund 30 Kinder auf, darunter zwei Dauerpflegekinder. So fanden 25 Kinder in ihrer Bereitschaftspflege, auch unter dem Namen Inobhutnahme bekannt, ein sicheres Zuhause auf Zeit. Nun verabschiedet sich die langjährige Pflegemutter aus dieser intensiven Aufgabe – und hinterlässt große Fußstapfen. 

Das weiß auch Karina Glabisch. Die Leiterin des Jugendamts dankt Brigitte Jung ausdrücklich: „Egal wann wir angerufen haben – Frau Jung sagte: ‚Wir machen etwas daraus.‘ Diese Verlässlichkeit war bemerkenswert.“ Aktuell sucht der Pflegekinderdienst des Jugendamts Menschen, die bereit sind, Kindern ein stabiles Zuhause zu geben, wenn sie nicht in ihrer eigenen Familie bleiben können – vorübergehend oder dauerhaft. 

„Wir suchen Menschen mit Offenheit, Geduld und Stabilität – Familien, Paare oder Einzelpersonen, die Kindern Zeit, Aufmerksamkeit und Sicherheit schenken möchten“, erklärt Glabisch. Wichtig sei dabei nicht Perfektion, sondern die Bereitschaft, sich auf Kinder und ihre Geschichten einzulassen. Das sieht auch Brigitte Jung genauso. „Und man darf sich Hilfe holen. Niemand muss alles alleine schaffen.“ 

Die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt beschreibt Brigitte Jung als eng, offen und unterstützend. Ganz gleich, ob sie Kinder nur für wenige Tage aufgenommen hat, also in der Bereitschaftspflege, oder manchmal über viele Jahre hinweg (Dauerpflege). Besonders häufig nahm Familie Jung Säuglinge und Kleinkinder auf – oft in akuten Krisensituationen.  

Nächstes Vorbereitungsseminar im September 2026 

Aktuell gibt es im Odenwaldkreis 49 Dauerpflegestellen, fünf Bereitschaftspflegestellen sowie drei Rufbereitschaftsstellen. Der Bedarf an engagierten Familien bleibt jedoch hoch. Die Pflegeeltern werden auf ihre Aufgabe vorbereitet und während der gesamten Zeit begleitet. Unterstützungsangebote wie Vorbereitungsseminare, Elternabende, Fachvorträge und der Austausch mit anderen Pflegefamilien helfen dabei, Sicherheit zu gewinnen. 

Der Pflegekinderdienst lädt Interessenten zum nächsten Vorbereitungsseminar ein, das im September dieses Jahres stattfindet. Wer sich darüber informieren beziehungsweise anmelden möchte oder sich generell vorstellen kann, einem Kind ein Zuhause auf Zeit oder auf Dauer zu geben, kann sich unverbindlich per E-Mail an pflegekinderdienst@odenwaldkreis.de an das Team wenden. 

„Man kann unglaublich viel bewirken“ 

Die Arbeit als Pflegemutter sei erfüllend, aber auch fordernd gewesen, berichtet Brigitte Jung offen. „Liebe allein reicht leider nicht immer.“ Wichtig seien Geduld, Stabilität, Empathie und ein starkes Umfeld. „Man muss Chaos auch mal aushalten können“, sagt sie lachend. Ihre eigenen drei Kinder wuchsen ganz selbstverständlich mit den Pflegekindern auf. „Ich habe meine Familie immer mit ins Boot geholt. Für uns alle war es eine Bereicherung.“ 

Gleichzeitig habe sie erlebt, wie viel zurückkommt: „Es ist schön zu sehen, wie Kinder Vertrauen fassen, sich entwickeln und ihren Weg finden.“ Besonders emotional seien oft die Abschiede gewesen. Viele Kinder blieben nur wenige Wochen oder Monate. „Wenn die Kinder wieder gehen, macht das immer etwas mit einem“, erzählt sie. Dennoch habe sie die Aufgabe nie bereut. „Man kann in relativ kurzer Zeit unglaublich viel bewirken.“