Vom Facharbeiter zum Firmenchef: Kai Frindt führt KARO seit zehn Jahren erfolgreich

„Ja, natürlich!“ Kai Frindt muss keine Sekunde lang überlegen, ob er den Schritt in die Selbstständigkeit noch einmal gehen würde – so wie vor zehn Jahren. Damals übernahm er das Unternehmen KARO Kunststoffzerspanung in Michelstadt von Theodor Harling und führt es seither als geschäftsführender Gesellschafter. Bei einem Unternehmensbesuch möchte Landrat Frank Matiaske nicht nur mehr über die Produktion und die aktuelle wirtschaftliche Lage erfahren. Ihn interessiert auch, ob Kai Frindt seine Entscheidung von damals genauso wieder treffen würde. Wie gesagt, lässt der Unternehmer daran keinen Zweifel – „auch wenn der Weg in die Selbständigkeit nicht frei von Herausforderungen war, vor allem am Anfang“.

Tatkräftige Unterstützung hat er damals von der Wirtschaftsförderung des Odenwaldkreises bekommen. Deren Leiterin Gabriele Quanz und ein erfahrener Mentor halfen Frindt. „Das war enorm wichtig für mich“, sagt er. „Vom Erstellen des Businessplans über die Verhandlung mit Banken bis hin zu vielen, vielen anderen Entscheidungen, die ich treffen musste. Ohne diese Unterstützung wäre mir der Start als Firmenchef sehr viel schwerer gefallen. Vor allem die ersten Monate waren sehr hart.“

38 Jahre alt war Frindt damals. Er war seinerzeit schon in der Firma als Facharbeiter tätig und hatte einen guten Kontakt zum Firmeninhaber Harling. Schließlich einigten sich die beiden darauf, dass Frindt die Firma übernehmen sollte. Seither heißt sie KARO Kunststoffzerspanung Kai Frindt GmbH. Kunststoffzerspanung bedeutet: Werkstücke durch Bohren, Fräsen oder Drehen so zu bearbeiten, dass das vom Kunden gewünschte Produkt entsteht.

„Bei Firmenübergaben muss sehr viel bedacht werden“, weiß Quanz, die den Landrat bei dem Unternehmensbesuch begleitet. „Deswegen begleiten wir diese Prozesse sehr gerne. Schließlich wollen wir verhindern, dass Betriebe schließen müssen, weil es keinen neuen Eigentümer gibt.“ Landrat Matiaske ermuntert alle Unternehmen, die sich in einer solchen Phase befinden, auf die Wirtschaftsförderung zuzugehen. Gabriele Quanz hat die Telefonnummer 06062 9433-62.

Bei einem Rundgang durch die Produktionshalle erläutert Frindt unter anderem, wie eine Drehmaschine für einen Kunden Schlauchanschlüsse aus Polyamid anfertigt. Für einen anderen Kunden wiederum müssen sehr kleine Teile zurechtgefräst werden, was an anderen Maschinen stattfindet – per Handarbeit. Insgesamt hat das Unternehmen 120 bis 130 Kunden, zum Beispiel aus der Lebensmittelbranche, der Medizin und der Elektrotechnik. Frindt beschäftigt acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Auf die Frage von Landrat Matiaske nach dem Auftragsaufkommen sagt Frindt, dass es in den vergangenen zwei Jahren weniger Bestellungen gebe. „Es läuft generell schleppend.“ Aber er ist kein Mann, der ins Klagen verfällt. „Insgesamt stehen wir gut da.“ Positiv für sein spezialisiertes Unternehmen ist, dass es keine Kunststoffteile aus Spritzguss herstellt, was im Ausland viel preisgünstiger ist, oder fast gar nicht für Automobilzulieferer arbeitet und somit von Konjunkturdellen dieser Branche weitgehend verschont bleibt.

Denn auch Frindt muss schauen, dass er nötige Investitionen tätigen kann. Im vergangenen Jahr hat er alte Maschinen durch eine neue Dreh- und eine neue Fräsmaschine ersetzt. Den 3D-Druck beherrscht sein Unternehmen auch. „Aber nur für die Herstellung von Prototypen“, so Frindt. „Die ganze Produktion eines Produkts ist wegen der hohen Stückzahlen mit diesem Verfahren nicht gut möglich.“

Auf seine Belegschaft kann der Geschäftsführer sich verlassen. Aber neue Facharbeiter zu finden, ist nicht leicht. Die Zerspanung von Kunststoff folgt anderen Regeln als die von Metall. Ausgebildet werden Zerspanungsmechaniker aber vor allem in der Metallbranche.

Aktuell steht der Geschäftsführer aber vor einer dringenderen Frage: Er bräuchte für die Produktion mehr Platz, die jetzige Halle platzt aus allen Nähten. Gabriele Quanz notiert sich die Größe, die eine neue Halle haben müsste, und verspricht, sich umzuhören. „Das ist praktische Wirtschaftsförderung, die die Anliegen von Unternehmerinnen und Unternehmen aufgreift“, sagt Landrat Matiaske. „Damit helfen wir ganz konkret, dass Firmen sich hier bei uns im Odenwaldkreis entwickeln können.“