Mit Leidenschaft für den Odenwaldkreis

Wer mit ihm spricht, merkt schnell: Kevin Schmauß ist jemand, der Kommunalpolitik nicht als Beruf, sondern als Teil seines Lebens versteht. Nun hat der Dreiunddreißigjährige einen nächsten Schritt gemacht: Der Kreistag hat ihn am 22. Juni zum hauptamtlichen Kreisbeigeordneten gewählt. Offiziell ins Amt eingeführt werden wird er – nach der Genehmigung des ebenfalls in der Sitzung beschlossenen Haushalts inklusive Stellenplan durch das Regierungspräsidium – voraussichtlich in der Kreistagssitzung am 24. August.

Was ihn an seiner neuen Aufgabe reizt? Schmauß muss nicht lange überlegen: „Dass sie mir Gelegenheit bietet, noch sichtbarer zu machen, welche unfassbar tollen Talente, Ideen, Produkte und Orte unser Odenwald zu bieten hat.“ Die nötige Motivation bringt er auf jeden Fall mit: „Ich bin ein Mensch, der wirklich sehr ungern nur halbe Sachen macht. Wenn ich mir ein Ziel setze, dann bringe ich es auch über die Ziellinie – auch wenn es mal länger dauert und der Weg steinig ist.“

Unter Beweis stellen kann er das als Dezernent, der für mehrere Bereiche zuständig sein wird, nämlich für die Wirtschaftsförderung des Odenwaldkreises, die Odenwald Regionalgesellschaft (OREG) inklusive dem dort angesiedelten Öffentlichen Personennahverkehr, die Abteilung Landwirtschaft und Landwirtschaftliche Förderung, die Hauptabteilung aus Gesundheitsamt und Veterinärwesen/Verbraucherschutz sowie den Tourismus.

Schmauß möchte in den ersten Monaten möglichst mit allen Menschen, die in seinen Dezernaten Aufgaben erfüllen, in den Austausch kommen und sie ein Stück in ihrer täglichen Arbeitspraxis begleiten. „Führungsverantwortung zu tragen, bedeutet nicht nur den Ton anzugeben, sondern vor allem auch die leisen Töne der anderen im Orchester zu hören.“

Zugleich hat er feste Vorstellungen über die Akzente, die er setzen will, zum Beispiel in der Wirtschaftsförderung. „Es ist entscheidend, dass wir in der Politik dafür Sorge tragen, dass die von uns zu gestaltenden Rahmenbedingungen unternehmerfreundlich sind und Chancen für Gründung und Wachstum bieten“, betont Schmauß. Und in punkto Landwirtschaft sieht er es als geboten, „unsere Landwirte mit der ihnen gebührenden Dankbarkeit wieder direkt in die Mitte unserer Gesellschaft im ländlichen Raum zu holen“, jenseits aller Versuche, sie als Umweltsünder zu deklarieren.

Schon früh kommunalpolitisch geprägt

Geboren am 4. Oktober 1992 in Erbach und aufgewachsen in Höchst, wurde er schon früh von kommunalpolitischem Engagement geprägt. Als seine Mutter 1997 erstmals ins Gemeindeparlament einzog und später Erste Beigeordnete in Höchst wurde, bekam Politik für die Familie eine ganz konkrete Bedeutung. „Ich bin mit dem Umstand, dass ein Teil unseres Lebens eine öffentliche Dimension hat, groß geworden. Bei uns zuhause galt: Es geht uns gut, auf diesem Weg geben wir etwas zurück in die Gesellschaft.“

So engagiert sich Kevin Schmauß seit seiner Jugendzeit in der Kommunalpolitik – in seiner Heimatgemeinde und auf Kreisebene. Seine politische Heimat fand er früh in der CDU, deren Kreisvorsitzender er seit 2020 ist. Bis Juni 2024 war er Büroleiter der CDU-Landtagsabgeordneten Sandra Funken, davor war er als politischer Strategieberater in einer Berliner Agentur für Unternehmen im Bereich der Mobilität und Finanzwirtschaft tätig. Damit bringt er in sein neues Amt eine für den Odenwaldkreis hilfreiche Vernetzung in die Landes- und die Bundespolitik mit, bis hinein in die jeweiligen Regierungen.

Sein politisches Interesse brachte ihn auch zum Jura-Studium: „Wer Gesetze machen oder verändern will, muss diese zuvor verstehen.“ Sein besonderes Interesse gilt dem Staats- und Verfassungsrecht. Das war schon im Leistungskurs Politik und Wirtschaft an der Ernst-Göbel-Schule so, wo er 2012 Abitur machte.

Zum Studium zog es ihn anschließend zunächst ans King’s College in London (Abschluss Bachelor of Laws, First Class Honours) und dann an die Humboldt-Universität in Berlin. In London ist er nach wie vor ausgesprochen gern. „Ohne diese Stadt geht es nicht.“

Die Erste Juristischen Staatsprüfung legte er 2018 mit Prädikat ab. Im Juli 2024 hat er eine Stelle als Rechtsreferendar am Landgericht Darmstadt angetreten. Das Referendariat endet in gut einer Woche. Im September steht im Rahmen des Zweiten Staatsexamens nur noch die mündliche Prüfung an, dann ist er Volljurist.

So bringt er für seine neue Aufgabe beides mit: juristische Expertise und langjährige kommunalpolitische Erfahrung. Er kennt die Perspektive der Ehrenamtlichen in der Kommunalpolitik und ist überzeugt, dass gute Politik nur gelingt, wenn Verwaltung und Politik einander verstehen.

Noch gut im Gedächtnis hat Schmauß, dass nach dem Bericht im Feuilleton einer großen Zeitung die Region einmal als „Odenwald-Hölle“ verschrien war. „Ich trete zum Beweis des Gegenteils an“, sagt er mit Blick auf sein neues Amt. „Wir sind eine aktive und lebenswerte ländliche Region, die stolz auf sich sein kann und das dem Rest der Welt zeigen sollte.“