Kunst mit Ausstrahlung

Wer einen Termin bei Landrat Frank Matiaske hat, den begrüßt seit neuestem ein aufmerksamer Hund. Nein, kein echter – obwohl der Landrat ein ausgewiesener Hundefreund ist. In seinem Vorzimmer hängt neben der Tür zu seinem eigenen Büro ein ausdrucksstarkes Portrait eines Hundes. Es ist eines von drei Kunstwerken, die die Künstlerin Stefanie Grünmeier der Kreisverwaltung überlassen hat.

Landrat Matiaske dankte gemeinsam mit seinen Sekretärinnen Yvonne Uhrig und Sophia Helm der Künstlerin bei der Übergabe der Gemälde, die jüngst stattfand: „Das Landratsamt schätzt die Schaffenskraft der Odenwälder Künstlerinnen und Künstler, die mit den Werken von Stefanie Grünmeier bei uns nun sehr präsent ist. Sie bereichern den Raum und werden die Blicke der Besucherinnen und Besucher auf sich ziehen.“

„Die Freiheit zu malen, ist für mich das größte Geschenk“, sagte Stefanie Grünmeier. Ihr Atelier in Erbach trägt den Namen „Atelier 10°“. Sie bezeichnet sich gerne als „Kunst-Handwerkerin und kreative Artistin“ – eine Berufsbezeichnung, die sie sich nach ihrem Ausscheiden aus dem selbstständigen Berufsleben als Geschäftsfrau gegeben hat.

Geboren im Jahr 1965, wollte sie 1981 eigentlich Goldschmiedin werden. Aber die Eltern hatten eine andere Idee und fanden den Beruf der Werbekauffrau zukunftsweisender, wie Grünmeier erzählt. Goldschmiedin, Keramikerin, Bildhauerin und Malerin ist sie trotzdem geworden. „Das geht auch ohne Ausbildungsberuf und zwar ganz alleine mit den Händen, dem Herz und der gottgegebenen Kreativität.“

Ihr Stil ist nicht festgelegt und erlaubt alle Techniken. Aber immer ist die Farbe das Motiv – so auch in den drei Gemälden im Vorzimmer des Landrats.

Der Hund sieht übrigens nicht zufällig dem echten Hund von Yvonne Uhrig ähnlich. Ein Foto von Hailey diente als Vorlage für das Gemälde. Das Tier tritt dem Betrachter mit klaren Konturen und kraftvollen Farben unmittelbar entgegen. Der leuchtend rote Hintergrund verstärkt die Präsenz der Figur. Schwarz, Weiß und intensive Blautöne formen einen markanten Blick, der Ruhe, Ernst und eine feine Portion Humor vermittelt.

Die beiden anderen eindrucksvollen Bilder hatte Sophia Helm mit ausgewählt. Ein Gemälde zeigt eine Kuh, die sich aus einer bewegten Farbwelt herauslöst. Je länger der Blick verweilt, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. Die vorherrschenden Türkis- und Blautöne erzeugen Weite. Das Bild lädt dazu ein, Bekanntes in Unbekanntem zu erkennen.

Das dritte Gemälde schließlich lebt nicht von Formen, sondern von Atmosphäre. Farbflächen aus Türkis, Grün und warmen Erdtönen überlagern sich wie Landschaften oder Wetterstimmungen. Es gibt keinen eindeutigen Mittelpunkt. Der Betrachter mag jeweils etwas anderes sehen: Wasser, Wald, Nebel oder Licht.

Gerahmt worden sind die Gemälde von Stefanie Grünmeiers Ehemann Rolf Kohlhage, der bei der Übergabe auch dabei war. So konnten sie gleich aufgehängt werden.