Zukunftstechnologie made in Reichelsheim

Mikrowellen kennt man vor allem aus der Küche zum einfachen und schnellen Erwärmen von Speisen. Dass die Technologie aber auch für industrielle Anwendungen großes Potenzial bietet, zeigte das junge Unternehmen IMP GmbH – Industrial Microwave Processes beim kürzlichen Besuch von Landrat Frank Matiaske und Gabriele Quanz, Leiterin der Wirtschaftsförderung, in Reichelsheim. Co-Gründer und Geschäftsführer Moritz Gorath stellte gemeinsam mit seinem Team die Arbeit des Unternehmens und mögliche Einsatzbereiche der Mikrowellentechnik vor. Seit 2023 ist IMP aktiv und seit rund drei Monaten am heutigen Standort in einem Fachwerkhaus mitten in Reichelsheim tätig. Hier entstehen in den nächsten Monaten parallel zum Betrieb moderne Büros, Entwicklungslabors und eine kleine Werkstatt. 

Moritz Gorath hat sich nach seiner Tätigkeit als Entwicklungsleiter bei einem Odenwälder Unternehmen aus der Mikrowellenbranche selbstständig gemacht. Sein Ziel ist, Mikrowellentechnik nicht nur für einzelne Nischenanwendungen, sondern, auf Grundlage von allgemeinen Plattformlösungen für industrielle Prozesse nutzbar zu machen. Unterstützt wird er dabei von einem interdisziplinären Team, zu dem Dr. Lucas Giller und Caspar Dorn gehören – insgesamt arbeiten sechs Personen für das Unternehmen. 

„Was wir entwickeln, hat mit der klassischen Mikrowelle aus der Küche nur noch wenig zu tun“, erklärte Gorath beim Betriebsbesuch. Die Anlagen von IMP seien für den industriellen Einsatz gedacht und sollen dauerhaft, teilweise rund um die Uhr, betrieben werden können und Tonnen pro Tag prozessieren.

Foto Firmenbesuch IMP GmbH – Industrial Microwave Processes 
Moritz Gorath, Geschäftsführer der IMP GmbH – Industrial Microwave Processes in Reichelsheim (M.), zeigt Landrat Frank Matiaske (r.) gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Dr. Lucas Giller (l.), die Funktionsweise einer Mikrowelle. 

Mikrowellen können Materialien gezielt erwärmen. Dadurch lassen sich bestimmte industrielle Prozesse schneller und mit weniger Energie durchführen. Dabei kann der Energieeinsatz bei geeigneten Anwendungen deutlich reduziert werden. Interessant ist die Technik beispielsweise für die Chemie- und Lebensmittelindustrie, die Kautschukverarbeitung, die Halbleiter- und Batterieindustrie sowie für die Herstellung von Düngemitteln und anderen Materialien. Auch bei Verfahren, die heute mit Gasbrennern arbeiten, können Mikrowellen eine Alternative sein. Außerdem kann die Technologie vorteilhaft im Bereich der dezentralen Energieversorgung verwendet werden. IMP entwickelt unter anderem Mikrowellen-Katalysereaktoren, -Plasmabrenner und -Drehrohröfen. Die Lösungen werden dabei jeweils auf die Anforderungen der späteren Anwender angepasst. 

„IMP ist ein gutes Beispiel dafür, wie aus technischem Wissen und einer innovativen Idee ein Unternehmen entstehen kann“, betonte der Landrat. „Gerade technologieorientierte Gründungen brauchen gute Rahmenbedingungen und verlässliche Ansprechpartner. Dabei stehen wir als Odenwaldkreis und Wirtschaftsförderung auch künftig gerne unterstützend zur Seite.“ Aktuell geht es beispielsweise um die weitere Entwicklung des Standorts und die dafür notwendigen Rahmenbedingungen. Mittelfristig könnte für das wachsende Unternehmen auch zusätzlicher Platz erforderlich werden. 

Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit ist die Zusammenarbeit mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft. IMP steht unter anderem mit der TU Darmstadt, der Universität Stuttgart, dem Fraunhofer-Umfeld und der University of Oxford in Kontakt. Auch regionale Unternehmen sind eingebunden. Standardkomponenten werden unter anderem von der Firma Muegge aus Reichelsheim bezogen. Weitere Bauteile entstehen bei regionalen Zulieferern. „Die kurzen Wege und das vorhandene Know-how in der Region sind für uns ein großer Vorteil“, so Gorath. Ein aktuelles Entwicklungsfeld ist ein Reaktor, mit dem beispielsweise Methan mithilfe eines mikrowellengestützten Verfahrens in Wasserstoff und festen Kohlenstoff umgewandelt werden kann. Der feste Kohlenstoff kann anschließend für weitere Anwendungen genutzt werden. Damit beschäftigt sich das Unternehmen unter anderem im Bereich neuer industrieller Verfahren. 

Das Startup-Unternehmen befindet sich derzeit in einer frühen Wachstumsphase und arbeitet an mehreren Produktlinien. Bereits drei Patente sind lizenziert, ein Patent ist angemeldet und mehrere weitere in der Vorbereitung. Ein wichtiger Bestandteil auf dem Weg in die Selbstständigkeit war für Moritz Gorath die Förderung nach der LEADER-Strategie in Höhe von rund 25.000 Euro. Mit den Mitteln der Europäischen Union und des Landes Hessen im Rahmen des GAP-Strategieplans sowie mit vorhandenem Eigenkapital konnte man spezielle Hard- und Software anschaffen. Bereits 2023 wurde Moritz Gorath mit dem Gründerpreis „GO“ ausgezeichnet. Auch bei der Gründung und weiteren Entwicklung wurde das Unternehmen durch die regionale Wirtschaftsförderung begleitet. 

Mit seiner Technologie möchte IMP dazu beitragen, industrielle Prozesse effizienter zu gestalten und langfristig fossile Energieträger, wie Erdgas in geeigneten Anwendungen zu ersetzen. „Unser Ziel sind maßgeschneiderte, anwendungsorientierte Lösungen“, beschreibt Gorath den Ansatz des Unternehmens. Dabei geht es nicht nur um eine einzelne Branche: Die Mikrowellentechnik soll möglichst vielseitig einsetzbar sein. 

Der Betriebsbesuch zeigte damit auch die Bandbreite an innovativen Unternehmen, die im Odenwaldkreis entstehen und von hier aus überregional tätig werden. Für IMP steht dabei zunächst die weitere Entwicklung der Technologie und der Aufbau des Unternehmens im Mittelpunkt – mit dem Ziel, industrielle Anwendungen der Mikrowellentechnik aus Reichelsheim heraus voranzubringen.