Odenwald-Akademie bietet
exklusive Einblicke in Hochwasserschutz

Anlagen, die sonst nur Fachleuten zugänglich sind, einmal aus nächster Nähe erleben: Diese Gelegenheit haben zahlreiche Interessierte bei zwei Exkursionen der Odenwald-Akademie gemeinsam mit dem Wasserverband Mümling genutzt. Die Führungen zum Retentionsraum Schönnen und zum Hochwasserrückhaltebecken Marbach vermittelten eindrucksvoll, wie moderner Hochwasserschutz im Odenwaldkreis funktioniert.

Die Exkursionen sind Teil des Jahresprogramms der Akademie mit dem Schwerpunkt „Wasser“. Gemeinsam mit der TU Darmstadt sowie Kooperationspartnern im Kreis werden komplexe Themen wie Hochwasserschutz, Gewässerentwicklung und Klimaanpassung verständlich vermittelt. Das Programm hat Raquel Jarillo zusammengestellt, die für die Akademie zuständige Mitarbeiterin im Landratsamt.

Sie freut sich über den großen Zuspruch zu den Exkursionen, einem neuen Format der Akademie. „Bildung lebt von Begegnungen. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass Expertinnen und Experten ihre Türen öffnen und ihre Erfahrungen mit der Öffentlichkeit teilen. Genau diese Offenheit schafft Verständnis, fördert den Dialog und vernetzt Erkenntnisse in vielen Bereichen.“

Exkursion am Retentionsraum Schönnen
Informativ: Wie der Retentionsraum Schönnen funktioniert und warum er für den Hochwasserschutz wichtig ist, erfahren Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Exkursion vor Ort von Matthias Sottong, Geschäftsführer des Wasserverbands Mümling.

Im Retentionsraum Schönnen südlich von Erbach gewannen rund 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer Anfang August spannende Eindrücke von der Planung, dem Bau und der Funktionsweise dieser wichtigen Hochwasserschutzmaßnahme an der Mümling. Das Rückhaltebecken hält bei starken Niederschlägen und Hochwasserereignissen Wasser zurück. Bis zu 85.000 Kubikmeter Wasser können so zwischengespeichert und Hochwasserspitzen wirksam abgepuffert werden. Das verschafft den betroffenen Kommunen und Einsatzkräften wertvolle Zeit für Warnungen und weitere Schutzmaßnahmen.

„Der Retentionsraum ist ein wichtiger Baustein für einen nachhaltigen Hochwasserschutz in unserer Region. Mit solchen Maßnahmen tragen wir dazu bei, Risiken für die Bevölkerung und die kommunale Infrastruktur langfristig zu reduzieren“, erläuterte Matthias Sottong, der Geschäftsführer des Wasserverbands Mümling.

Beim Retentionsraum gehen Hochwasserschutz und Ökologie Hand in Hand. So bleibt die Durchgängigkeit der Mümling für Fische erhalten. Technische Lösungen und ökologische Anforderungen wurden schon in der Planung zusammengedacht. Nach letzten Vorbereitungen an der Infrastruktur muss noch ein Probestau durchgeführt werden. Danach kann die endgültige Betriebserlaubnis erteilt werden.

Hochmodernes Prozessleitsystem am Marbach-Stausee

Bereits im Juni war die Exkursion zum Hochwasserrückhaltebecken Marbach auf großes Interesse gestoßen. Auch diese Veranstaltung war ausgebucht. Besonders erfreulich war das Interesse eines Leistungskurses des Gymnasiums Michelstadt, für den Geschäftsführer Sottong kurzfristig gerne einen zusätzlichen Besichtigungstermin organisierte.

Die Teilnehmenden erhielten spannende Einblicke in die hochmoderne Mess- und Steuerungstechnik der Anlage. Ein besonderes Highlight war die Begehung des Bereichs unterhalb des Staudamms und der Gang zum Entlastungsturm, der in enger Zusammenarbeit mit der TU Darmstadt entwickelt wurde. Seit 1993 erzeugt eine Turbinenanlage Strom aus Wasserkraft, der teilweise direkt für den Betrieb der Anlage genutzt wird. Das Becken kann bis zu 2.400.000 Kubikmeter Wasser zurückhalten und bietet gleichzeitig zahlreichen Fischarten einen wertvollen Lebensraum.

„Angesichts häufiger auftretender Starkregen- und Hochwasserereignisse müssen wir heute Vorsorge für morgen treffen. Hochwasserrückhaltebecken und Retentionsräume sind nachhaltige Investitionen in die Sicherheit unserer Region und zugleich ein wichtiger Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel“, so Sottong.

Weitere Exkursion und drei Fachvorträge im Herbst

Die Resonanz auf beide Exkursionen hat gezeigt, wie groß das Interesse an den Themen Hochwasserschutz, Wasserwirtschaft und Gewässerökologie in der Region ist. Dasselbe gilt auch für zwei weitere Exkursionen, die ebenfalls rasch ausgebucht waren: zum Trinkwasser-Hochbehälter am Michelshof in Michelstadt und zum Campus Lichtwiese der TU Darmstadt mit einem speziellen Regenwassermanagement.

Wer sich für den Trinkwasser-Hochbehälter interessiert, kann sich auf www.odenwald-akademie.de für die nächste Führung anmelden, die am 9. September um 18 Uhr stattfindet.

Außerdem gibt es im Herbst drei spannende Vorträge im Haus der Energie/Volksbank-Atrium, Erbach:

  • am 22. September, 19:00 Uhr, „Feldlabor Gersprenz“ (TU Darmstadt)
  • am 1. Oktober, 19:00 Uhr, „Hochwasserrisiken“ (Wasser- und die Katastrophenschutzbehörde des Kreises und Wasserverband Mümling)
  • am 3. November, 19:00 Uhr, „Des Wandern ist der Fische Last“ (TU Darmstadt)