Der neue Kreisbeigeordnete Kevin Schmauß, in dessen Dezernatsverantwortung auch die Wirtschaftsförderung liegt, will die Bedeutung des Odenwaldkreises als attraktiven Unternehmensstandort kräftigen. „Wir können nur durch eine aktive Wirtschafts- und Strukturpolitik im Wettbewerb mit anderen Standorten bestehen“, sagte er in der Kreistags-Sitzung am Montag (24.8.) in seiner Rede zur Amtseinführung. „Dafür muss jetzt etwas getan werden und nicht erst dann, wenn es zu spät ist.“ Er wolle sich mit Blick auf Wirtschaftswachstum in der Region etwa dafür einsetzen, die Anbindung des Odenwalds auf der Straße zu verbessern und auf der Schiene pünktlicher und verlässlicher zu machen.
Zuvor hatte Schmauß in der Erbacher Werner-Borchers-Halle vor dem Kreistagsvorsitzenden Rüdiger Holschuh den Amtseid abgelegt, danach überreichte ihm Landrat Frank Matiaske die Ernennungsurkunde. Als hauptamtlicher Kreisbeigeordneter gewählt worden war Schmauß in der Kreistagssitzung am 22. Juni 2026.
Schmauß beklagte in seiner Antrittsrede den „massiven Reformstau“ im Bund und eine durch die Europäische Union beförderte Bürokratie. Beides schwäche die Wirtschaft, nicht zuletzt „unseren wichtigen Mittelstand“. Dennoch reiche es nicht, auf Missstände andernorts zu verweisen. „Wir müssen die Chancen ergreifen, die in unserer Hand liegen.“ Aufgabe des Staates sei, Rahmenbedingungen in Infrastruktur und Verwaltung zu schaffen, „die eine brauchbare Grundlage für Unternehmer bieten und sie nicht nur behindern und kontrollieren“.
Regierungspräsidium genehmigt Haushalt
In der Juni-Sitzung hatte der Kreistag auch den Haushalt 2026 und den Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs Bau- und Immobilienmanagement Odenwaldkreis verabschiedet. Wie Landrat Matiaske in der aktuellen Sitzung mitteilte, hat das Regierungspräsidium Darmstadt beide Zahlenwerke genehmigt. Der Kreis-Etat weist Erträge von 232,6 Millionen Euro und Aufwendungen von 240,2 Millionen Euro auf – und somit ein Defizit von 7,6 Millionen Euro. Der Gesamtumlagesatz für die Städte und Gemeinden bleibt insgesamt unverändert bei 58 Prozent.
Bürgschaft für Kreiskrankenhaus und neue Patientenfürsprecher
Wichtige Entscheidungen traf der Kreistag mit Blick auf das Kreiskrankenhaus. So wird die Bürgschaft für den Kontokorrentkredit in Höhe von 17,5 Millionen Euro bis zum Jahresende 2031 verlängert. Bisher war die Bürgschaft bis Ende 2026 befristet. Diese Summe ist Teil einer Kontokorrentkreditlinie in Höhe von insgesamt 30 Millionen Euro. Der andere Teil, 12,5 Millionen Euro, wurde durch das Regierungspräsidium Darmstadt bereits unbefristet genehmigt. Diese Summen sind wichtig, damit das Krankenhaus jederzeit zahlungsfähig ist.
Damit hängt auch ein weiterer aktueller Beschluss zusammen: die Abgabe einer so genannten Patronatserklärung zugunsten des Kreiskrankenhauses gegenüber der Sparkasse Odenwaldkreis zur Absicherung des Zusatz-Kontokorrentkredits über 17,5 Millionen Euro.
Zudem erhielten die neuen Patientenfürsprecher die entsprechenden Ernennungskunden. Christa Weyrauch war bereits in der letzten Sitzung des Kreistags gewählt worden, zu ihrem Stellvertreter machte das Gremium nun Lars Maruhn.
Lokaler Nahverkehrsplan beschlossen
Beschlossen wurde überdies der Lokale Nahverkehrsplans für die Fortschreibungsperiode 2025 bis 2029. Zuständig dafür ist im Auftrag des Kreises die Odenwald-Regional-Gesellschaft mbH (OREG). Der Plan dient der Sicherstellung von Mobilität und Erreichbarkeit für alle Bevölkerungsgruppen, die Berücksichtigung des demografischen Wandels, dem Ausbau der Barrierefreiheit sowie eines ökologisch verträglicheren öffentlichen Verkehrs.
So fanden etwa auch die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie zum Einsatz alternativer Antriebstechnologien im Odenwaldkreis Einzug in den Lokalen Nahverkehrsplan, so dass gesetzliche Vorgaben zum Einsatz von Bussen mit Elektroantrieb erfüllt werden können.
Alle im Rahmen der Bürgerbeteiligung eingegangenen Anregungen wurden geprüft und bewertet. Entsprechend dieser Bewertung werden sie – sofern sinnvoll und finanzierbar – in den aktuellen Planungen berücksichtigt oder bei künftigen Planungen einbezogen.
Debatte über Einsatz von Mährobotern
Die Grünen-Fraktion brachte einen Antrag ein, in dem sie zugunsten eines besseren Artenschutzes ein Verbot des nächtlichen Einsatzes von Mährobotern fordert. Hierzu solle die Kreisverwaltung eine Allgemeinverfügung erlassen, so die Grünen. Dem gegenüber stand ein Konkurrenzantrag der Fraktionen von SPD und CDU, der auf eine Aufklärungskampagne der Verwaltung zu dem Thema, aber nicht auf ein Verbot setzt. Der Kreistag stimmte mit deutlicher Mehrheit für den Antrag von SPD und CDU.
