Suchen, finden, sprechen. Dieser Dreischritt hat Mitarbeitende des Jugendamts jüngst in Bewegung gesetzt. Sie bildeten kleine Gruppen und besuchten Vertreterinnen und Vertreter von sechs Odenwälder Jugendhilfeträgern, die sich im neuen Gebäude des Jugendamts an der Helmholtzstraße auf mehrere Räume aufgeteilt hatten. Am Ende des Vormittags hatten die Gruppen bei allen sechs Trägern vorbeigeschaut. Die Organisatoren, Jugendamtsleiterin Karina Glabisch und Christian Senker, Sprecher der AG 78, waren mehr als zufrieden: „Dieses Speed-Dating der besonderen Art sorgte für einen lebendigen, informativen Austausch und hat den Kontakt zwischen Jugendamt und Jugendhilfeträgern vertieft.“
In der AG 78 wirken Jugendamt und Jugendhilfeträger zusammen. Das Hauptziel ist, dass Maßnahmen zugunsten junger Menschen möglichst gut aufeinander abgestimmt sind. Ihren Namen hat die Arbeitsgemeinschaft von der entsprechenden Bestimmung im Kinder- und Jugendhilfegesetz, Paragraph 78.
Weil es sowohl im Jugendamt als auch bei den Trägern in jüngerer Zeit zu personellen Wechseln gekommen war, war es für Glabisch und Senker an der Zeit für ein solches Treffen. Hauptthema war die Situation von Kindern und Jugendlichen, die in Einrichtungen der sechs Jugendhilfeträger leben. Davon ausgehend kommt in den einzelnen Gesprächen vieles auf den Tisch: Was ist die Besonderheit des jeweiligen Trägers? Was ist dem Jugendamt wichtig? Was gelingt gut? Welche Herausforderungen gibt es? Wie kann das Prozedere zwischen Jugendamt und Einrichtung verbessert werden, wenn ein Kind oder ein Jugendlicher nicht bei seinen Eltern leben kann und eine neue Bleibe braucht? Wie kann der Kontakt zu den Eltern gleichwohl aufrechterhalten und gestaltet werden?
Für Jugendamtsleiterin Glabisch ist die Anfangsphase besonders wichtig, wenn es um die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen geht. „Hier werden wichtige Weichen zwischen Jugendamt und Jugendhilfeträger gestellt, so dass Absprachen gut fundiert sein müssen.“ Senker betont: „Sehr wichtig ist zum Beispiel, dass für die Kinder und Jugendlichen passgenaue Hilfen gefunden werden. So wird verhindert, dass eine neue Unterbringung gesucht werden muss, was für die Kinder und Jugendlichen immer einen Bruch mit sich bringt.“
Die Wohn-Angebote der sechs Jugendhilfeträger haben je eigene Schwerpunkte. Ins Jugendamt gekommen waren
- die Arbeiterwohlfahrt mit dem Bereich Betreutes Wohnen in Michelstadt. Dort ist auch Christian Senker tätig.
- das Regenbogenhaus (mit den beiden Wohngruppen Mosaik und Prisma in Erbach),
- Leben Interaktiv (mit der gleichnamigen Wohngruppe in Erbach),
- der Verein Jugendberatung und Jugendhilfe (mit der neuen stationären Einrichtung Lenzwiese in Höchst-Hassenroth),
- das Familienhilfezentrum Odenwald (mit der Wohngruppe in Michelstadt)
- und die St. Pirmin Kinder- und Jugendhilfe Odenwald (mit mehreren Einrichtungen im Kreisgebiet).
Was alle Träger eint und was auch zu den zentralen Anliegen des Jugendamts gehört, ist das Bemühen um eine gute, dauerhafte Beziehung zu den Kindern und Jugendlichen in den Einrichtungen, die für sie ein Zuhause auf Zeit sind. Holger Spörl vom Regenbogenhaus brachte es kurz so auf den Punkt: „Ohne Beziehung keine Erziehung.“
