Die Digitalisierung in Unternehmen bringt etliche zeitliche, technische und finanzielle Herausforderungen mit sich. Dabei die großen Chancen nicht zu vergessen und sich fachkundige Unterstützung zu suchen – dafür hat das zweite Wirtschaftsforum des Odenwaldkreises geworben, das am Dienstagabend (21.4.) im Haus der Energie/Volksbank-Atrium stattfand. Dazu hatte Landrat Frank Matiaske gemeinsam mit der kreiseigenen Wirtschaftsförderung Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Vertreterinnen und Vertreter der Kreis- und der Kommunalpolitik eingeladen.
Vor den rund 50 Gästen warb der Landrat für Offenheit gegenüber digitalen Transformationsprozessen: „Bei Digitalisierung geht es in erster Linie nicht um eine Technologie, sondern um eine neue Haltung, nämlich die Bereitschaft, Dinge neu zu denken – gerade in Unternehmen und in der Verwaltung.“
Im Odenwaldkreis gebe es mit den Lern- und Forschungszentrum Odenwald (LefoO) und dem dort angesiedelten, für Südhessen zuständigen Kompetenzzentraum für Digitalisierung im ländlichen Raum (KDLR) „zwei tolle Einrichtungen, die Hilfestellungen leisten“, hob Landrat Matiaske hervor. Er lud Unternehmen ein, bei Fragen rund um die Digitalisierung auf diese Expertise zurückzugreifen.

Welches konkrete Potential in der digitalen Transformation – einschließlich Künstlicher Intelligenz (KI) – steckt, wurde in einer Podiumsdiskussion deutlich. Wie Kathrin Walz von der Seniorenresidenz am Kurpark, Bad König, schilderte, wird mittels KI die Pflegedokumentation erleichtert, indem Berichte, die Pflegekräfte in ihrer Muttersprache eingäben, leicht ins Deutsche übersetzt werden könnten. Mit Lukas Scharkopf von der Schreinerei Schlingmann, der auch in der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main aktiv ist, wurde erörtert, inwieweit Handwerksbetriebe Standardprozesse bei der Erstellung von Angeboten digitalisieren können. Auf diesem Wege könnten Kundinnen und Kunden die Angebote schneller bekommen.
Für das LefoO und das KDLR schildete Thorsten Wohlgemuth in der Diskussion die zahlreichen Unterstützungsangebote für Unternehmen – etwa „digitale Zwillinge“ und Weiterbildungen in punkto Digitalisierung. Digitale Zwillinge sind virtuelle Abbilder, die etwa für die Präsentation von Unternehmen oder den Aufbau neuer Prozesse hilfreich sind. Wohlgemuth nannte als weiteres Beispiel die Begleitung junger Handwerker, so dass sie mittels KI ihre Verwaltungsarbeit effizienter gestalten können. Zudem könnten Unternehmen die Räume des LefoO und des KDLR im Beruflichen Schulzentrum Odenwaldkreis nutzen, um Pläne für digitale Prozesse einfach einmal auszuprobieren.
An der Diskussion nahm auch Felix Broßmann von der Unternehmensberatung SKAD teil. Er hatte zudem zu Beginn der Veranstaltung einen Impulsvortrag gehalten. Darin warb er dafür, die vielen Informationsangebote zu nutzen, um sich mit Digitalisierungsprozessen vertraut zu machen und bei deren Planung im Unternehmen alle Beteiligten frühzeitig einzubinden. Zudem sprach er sich dafür aus, in Digitalisierungs- beziehungsweise KI-Regulierungen nicht eine unnötige Bremse zu sehen. „Diese Regulierungen sollen Risiken bändigen und so Vertrauen schaffen. So gesehen sind sie eine Chance.“
Dass bei der Digitalisierung auch Fördermittel des Bundes oder der Europäischen Union in Anspruch genommen werden können und welche das sind, schilderten Gabriele Quanz, die Leiterin der kreiseigenen Wirtschaftsförderung, und Anne Aßmus, die stellvertretende Geschäftsführerin der Interessengemeinschaft Odenwald.
