Zukunft zum Anfassen:
BSO macht Berufe erlebbar

Multitasking ist Horst Schad gewohnt, klar. Souverän navigiert er seine Tage am Beruflichen Schulzentrum Odenwaldkreis, kurz BSO, zwischen der Sicherung der Unterrichtsqualität, Personalführung, der Ausbildung neuer Lehrkräfte, Budgetverantwortung, Lehrer-, Eltern- und Schülergesprächen und, und und... Was ein Schulleiter eben machen muss, zumal an einer so großen Schule wie dem BSO in Michelstadt mit insgesamt mehr als 1.900 Schülerinnen und Schülern.

Trotzdem ist es gerade eine besondere Zeit für den 62 Jahre alten Pädagogen. Denn im August soll es eine neue Berufsmesse geben, die Schülerinnen und Schülern der achten, neunten und zehnten Klassen aus dem gesamten Odenwaldkreis helfen soll, den für sie richtigen Beruf zu finden – im Handwerk genauso wie in den Feldern Gesundheit, Pflege, Soziales und Industrie.

„Das ist schon eine Menge Arbeit“, sagt Schad. „Aber ich freue mich sehr darauf, denn so etwas hat bei uns noch nicht gegeben.“ Sowohl, was die Breite der vorgestellten Berufe angeht als auch deren Präsentation. „Wir setzen damit einen neuen Akzent für den gelingenden Übergang zwischen Schule und Beruf“, sagt Bildungsdezernent Oliver Grobeis.

Schon sieben Vorbereitungstreffen haben stattgefunden. Der Schulleiter tauscht sich nicht nur eng mit „seinen“ Lehrkräften aus.  Das BSO ist eng eingebunden in ein breites Netzwerk mit vielen Kooperationspartnern aus der Odenwälder Wirtschaft. „Unser Ziel ist, dass die Schülerinnen und Schüler selbst aktiv werden. So muss jeder Aussteller etwas zum Mitmachen anbieten – entweder bringt er Materialien und Werkzeuge mit oder er kann unsere Werkstätten nutzen.“ Das neue Format soll im jährlichen Wechsel mit den Odenwälder Handwerkstagen angeboten werden.

Schad rechnet mit rund 1.000 Schülerinnen und Schülern, die die Messe mit dem Titel „Erlebnis Berufe“ besuchen werden und die am 28. August 2026 von 8:00 bis 17:00 Uhr auf dem Gelände des BSO stattfinden wird. Die benachbarte Theodor-Litt-Schule richtet die Veranstaltung mit aus, wegen Bauarbeiten können dort aber bei der Messe-Premiere keine Veranstaltungen angeboten werden.

Zwei Schüler mit Laptop in der Smart Factory des BSO. Ihnen schauen zu: Lehrerin Silke Klar, Bildungsdezernent Oliver Grobeis, Schulleiter Horst Schad
Modernes Unterrichtsmaterial: Zwei Schüler aus dem Leistungskurs Mechatronik im Beruflichen Gymnasium des Beruflichen Schulzentrums Odenwaldkreis stehen gemeinsam mit ihrer Lehrerin Silke Klar, Bildungsdezernent Oliver Grobeis und Schulleiter Horst Schad (von rechts) in der „Smart Factory“, mit der im Klassenraum Industrieprozesse im Kleinen abgebildet werden. Sie testen ein Programm, das sie auf ihrem Notebook geschrieben haben.

Kooperationspartner sind die Wirtschaftsförderung des Odenwaldkreises, die Kreishandwerkerschaft, die Industrievereinigung Odenwaldkreis, die Industrie- und Handelskammer Darmstadt, das OloV-Netzwerk für den Übergang Schule – Beruf, das Gesundheitszentrum Odenwaldkreis, das Lern- und Forschungszentrum Odenwald (LefoO) und die Agentur für Arbeit. „Auf dieser breiten Basis können wir den Schülerinnen und Schülern ein klasse Angebot machen“, sagt Schad.

Mehrere Schulzweige mit fundiertem Unterricht und hohe Digitalkompetenz

„Das BSO festigt mit dieser Messe seine große Bedeutung für die Berufsvorbereitung junger Menschen“, hebt Bildungsdezernent Grobeis hervor. Wie gesagt, wird das BSO von mehr als 1.900 Schülerinnen und Schüler besucht. Rund 660 von ihnen machen eine duale Ausbildung und rund 780 besuchen die Vollzeitschulzweige Berufliches Gymnasium, Fachoberschule oder Berufsfachschule. Weitere 485 sind Mittelstufenschüler, die von anderen Schulen tageweise ans BSO kommen, um sich beruflich zu orientieren. Etwa 130 Lehrerinnen und Lehrer unterrichten am BSO.

Das BSO beherbergt auch das schon erwähnte Lern- und Forschungszentrum Odenwald, das sich weit über die Kreisgrenzen hinaus einen Namen gemacht hat. Am LefoO werden digitale Kompetenzen geschult – ganz praktisch, für Grundschulkinder genauso wie für Jugendliche. „Das ist eine essentielle Vorbereitung auf das Berufsleben, denn viele Jobs sind inzwischen digital“, betont Grobeis. Auch zu Unternehmen gibt es eine sehr enge Beziehung, wenn es um deren digitale Zukunft geht.

Das LefoO ist eine Erfolgsgeschichte. Der Bildungsdezernent hatte sich persönlich für dessen Einrichtung stark gemacht, was dann mit Unterstützung des kreiseigenen Betriebs Bau- und Immobilienmanagement Odenwaldkreis möglich wurde.

Weil die Nachfrage wuchs und wuchs, kamen immer mehr Partner mit an Bord, um die Finanzierung sicherzustellen. Jüngst wurde am LefoO das „Kompetenzzentrum für Digitalisierung im Ländlichen Raum“ eingerichtet. Damit unterstützt das Land Hessen kleine und mittelständische Unternehmen in der digitalen Transformation – mit der im LefoO gesammelten Expertise in ganz Südhessen. „Dieser Erfolg wäre ohne passionierte Lehrkräfte und Mitarbeitende nicht möglich gewesen“, so Grobeis, der allen voran Schads Vorgänger Wilfried Schulz und LefoO-Leiter Thorsten Wohlgemuth für ihren Einsatz dankt.

Neubau-Eröffnung zum Schuljahr 2026/2027

Aber die Kreisverwaltung als Schulträger hat nicht nur dieses Zentrum von Anfang an gefördert und begleitet. Der schon weithin sichtbare Schulneubau nach den Plänen des Stuttgarter Büros Fischer Rüdenauer Architekten ist fast fertig. Mit dem Beginn des Schuljahres 2026/2027 soll er bezogen werden. Beherbergen wird das in Holzbauweise errichtete Gebäude das Berufliche Gymnasium sowie die beiden Ausbildungszweige der höheren Berufsfachschule für Sozialassistenz und der Fachschule für Sozialpädagogik.

Insgesamt werden fast 13 Millionen Euro investiert. „Das ist die größte Investition im schulischen Bereich bei uns seit sehr langer Zeit und damit ein klares Bekenntnis des Odenwaldkreises zu diesem Standort“, betont Grobeis. Schulleiter Schad freut bereits auf die gemeinsame Eröffnung. „Das wird neben der Berufsmesse unser zweites großes Highlight in diesem Jahr.“

Attraktivität für Ausbildungsberufe halten

Viele Ausbildungsberufe, die an der Schule unterrichtet werden, weisen stabile Klassengrößen auf. Beispiele dafür sind die Branchen Holz, Kfz und Elektro sowie der Einzelhandel, Industrie- und Bankkaufleute oder der medizinische Bereich. Für andere Berufe muss Schad kämpfen, etwa für den Mechatroniker. Das Kultusministerium hat Klassengrößen festgelegt, die nicht unterschritten werden dürfen. Der Schulleiter appelliert an die Unternehmen, Auszubildende einzustellen, denn so könne das BSO auch weiter breit aufgestellt sein.

Neu aufstellen will sich das BSO mit dem Beruf „Technologe für Kunststoff und Kautschuk“; hierfür gibt es einen Austausch mit Firmen dieser Branche, die im Odenwaldkreis relativ stark vertreten ist. Schad rechnet hier bis zum Sommer mit einem Ergebnis. „Qualifizierte Lehrkräfte dafür haben wir.“

Er leitet das BSO seit 2024, kennt die Schule aber sehr gut. Denn von 2001 bis 2016 war er dort Lehrer für Wirtschaft und Englisch und hatte 2011 die Leitung des Beruflichen Gymnasiums übernommen. Vor seiner Rückkehr ans BSO hat er die Theodor-Heuss-Schule in Offenbach geführt, ebenfalls eine Berufliche Schule. Acht Jahre war er dort. „Dann war die Zeit reif für einen Wechsel“, sagt Schad. „Ich mag es, Neues zu wagen.“ Dafür hat er am BSO allein in diesem Jahr viele Gelegenheiten.