Patientenversorgung auf hohem Niveau

Modernste Technik für noch gezieltere ärztliche Entscheidungen und somit für eine optimale Versorgung von Patientinnen und Patienten. Dafür steht das Kreiskrankenhaus in Erbach. Der Ausbau digital gestützter Verfahren geht zügig voran. So können seit neuestem Chirurgen während einer Operation dank so genannter Schnellschnitte quasi in Echtzeit an wichtige Daten gelangen, die über den Fortgang des Eingriffs entscheiden. Und die Röntgenabteilung verfügt inzwischen über vier moderne, volldigitale Apparate – zwei fest installierte und zwei mobile Geräte, die im Schockraum beziehungsweise in der Intensivstation eingesetzt werden können.

„In der Patientenversorgung unseres Krankenhauses gehört Digitalisierung zum Alltag“, hebt Landrat Frank Matiaske hervor. „Digitalisierung betreiben wir dabei nicht um der Digitalisierung willen, sondern um die Qualität der Gesundheitsversorgung zu steigern und unserer Bevölkerung auf höchstem Niveau anzubieten. Ich danke allen, die diese Prozesse in Gang bringen und zum Erfolg führen.“ Der Landrat, der qua Amt Aufsichtsratsvorsitzender des Kreiskrankenhauses ist, weiß um den großen Wert solcher Neuerungen. „Die Klinik ist unverzichtbar für die Gesundheitsversorgung im Odenwaldkreis. Diese Rolle kann sie nur mit aktuellstem medizinischen Know-how und modernstem Gerät behaupten.“

Erleichterungen dank digitaler Technik

Das sieht Krankenhaus-Geschäftsführerin Abir Giacaman genauso. Deswegen freut sie sich darüber, dass das Schnellschnitt-Verfahren bei Operationen nun möglich ist, gemeinsam mit der Pathologie in Darmstadt. „Wird zum Beispiel bei einer Krebs-OP ein Gewebeteil entnommen, wird es in unserem eigenen Labor geschnitten, gefärbt und digitalisiert und zur Pathologie nach Darmstadt geschickt. Deren Befund kommt binnen weniger Minuten zurück, so dass der Operateur sehr schnell und sicher weiß, ob das Gewebe gut- oder bösartig ist. Das ist ein riesen Vorteil gegenüber bisherigen Verfahren.“ Auch über die neuen Röntgengeräte ist Giacaman sehr glücklich. „Sie haben einen großen Benefit für die Patientinnen und Patienten und die Mitarbeitenden.“ Täglich werden in der Abteilung 80 bis 100 Menschen untersucht, was bis zu 250 Röntgenaufnahmen führen kann.

Außerdem haben Ärzte und Pflegekräfte bei Visiten die Patientenakten in digitaler Form dabei, in denen alle relevanten Daten gespeichert sind. „Auf diesem Wege stehen Daten schneller zur Verfügung, so dass der Informationsfluss wesentlich verbessert wird. Beispielsweise kann auch eine Änderung der Medikation direkt am Krankenbett eingegeben werden. Übergaben zwischen Schichten werden effizienter und nachvollziehbarer“, sagt Giacaman.

Und was ist mit der Anwendung von Künstlicher Intelligenz (KI)? Giacaman steht ihr sehr offen gegenüber, „wichtig ist es aber, für mögliche Einsatzfelder bei uns auf erprobte, zertifizierte Produkte zurückgreifen zu können.“ So arbeiten die neuen Röntgengeräte für die genaue Erkennung der zu untersuchenden Körperregionen schon mit Unterstützung durch Künstliche Intelligenz. Landrat Matiaske sieht im Einsatz von KI prinzipiell viele weitere Vorteile für Patientinnen und Patienten. „Deswegen sollte sie da, wo es vertretbar ist, auch eingesetzt werden.“ Giacaman sieht das Kreiskrankenhaus als Speerspitze: „Wenn sich weitere Einsatzgebiete ergeben, werden wir ganz vorn stehen – ohne dass dies je einen Arzt, eine Ärztin vollkommen ersetzen wird.“

Zweitgrößter Arbeitgeber und größter Ausbilder in der Region

Im Kreiskrankenhaus arbeiten rund 1.250 Menschen. Davon rund 905 am Patienten, das heißt in Medizin, Pflege und Physiotherapie. 54 Bedienstete hat die Verwaltung, und rund 290 in der Haustechnik, Küche und anderen Bereichen. „Unser Haus ist der zweitgrößte Arbeitgeber im Kreis“, so Giacaman. „Und der größte Ausbildungsbetrieb.“ In den Pflegeschulen der Gesundheitszentrum Odenwaldkreis GmbH haben zum 1. Oktober 2025 mehr als 50 junge Leute die Krankenpflege-Ausbildung begonnen.

Demonstration eines der neuen stationären Röntgengeräte: Irene Hammann mit Landrat Frank Matiaske

Die Gesundheitszentrum Odenwaldkreis GmbH, kurz GZO, ist eine einhundertprozentige Tochtergesellschaft des Kreises. Zu ihr gehören außer dem Kreiskrankenhaus und den Pflegeschulen ein großes Alten- und Pflegeheim, das Medizinische Versorgungszentrum, die Elternakademie und das Physiozentrum, eine Service- und Dienstleistungsgesellschaft und ein Restaurant.

Gerade ärztliches und pflegerisches Personal zu finden und zu halten, ist für ein Krankenhaus in einer ländlichen Region nicht immer leicht, wie Giacaman weiß. „Aber alle unsere Mitarbeitenden sind hoch motiviert und wissen um die enorme Bedeutung des Krankenhauses und all der anderen Institutionen des GZO für die Menschen im Odenwaldkreis.“ Landrat Matiaske ergänzt: „Ein guter Teamgeist ist eine wichtige Basis dafür, dass sich neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wohlfühlen. Bei uns kennen sich die Menschen untereinander. Darin haben kleinere Krankenhäuser einen Vorteil gegenüber großen Kliniken im Ballungsraum.“

Für die Geschäftsführerin ist es jedoch eine „dauerhafte Herausforderung“, gutes Personal zu finden. „Wir haben mit unserer neuen Personalchefin unser Recruiting neu aufgestellt und sind zum Beispiel näher dran am Markt, etwa auf entsprechenden Messen.“ Das Personal ist insgesamt sehr international zusammengestellt. „Das hat viele Vorteile, denn auch unserer Patientinnen und Patienten haben ihre familiären Wurzeln in vieler Herren Länder.“

Landrat fordert verlässliche Finanzierung

Insgesamt ist das Krankenhaus als ambulanter, stationärer wie teil-stationärer Grund- und Regelversorger gut aufgestellt, wie Giacaman zusammenfasst. „Als ein aktuelles Bespiel nenne ich hier die erneute Zertifizierung als Lokales Trauma-Zentrum Mitte Dezember 2025, die uns weiterhin bescheinigt, dass wir hier eine strukturierte und leitliniengerechte Versorgung von Schwerverletzten gewährleisten.“

Auch habe das Defizit spürbar gesenkt werden können. „Das wollen wir fortsetzen“, so Giacaman. Neben den Maßnahmen im Krankenhaus selbst sind die Anstrengungen in der Kreispolitik enorm, um die Klinik finanziell zu stützen. In den vergangenen Jahren hat der Odenwälder Kreistag entsprechende Beschlüsse gefasst. „Und das fraktionsübergreifend“, wie Landrat Matiaske betont. „Das Kreiskrankenhaus ist bei uns keine Sache der Parteipolitik.“

Immer wieder hat er die mangelnde Finanzausstattung von Klinken in ländlichen Räumen durch Bund und Land kritisiert. „Eine Krankenhausreform ohne diesbezügliche verlässliche Regeln ist nicht viel wert.“ Teil jener Reform ist der so genannte Transformationsfonds, aus dem mehrere Vorhaben gefördert werden können. Ob es in diesem Zusammenhang schon im laufenden Jahr tatsächlich zu spürbaren Hilfen für das Kreiskrankenhaus komme, bleibe abzuwarten, so der Landrat. Über Details der Fördersystematik müsse noch im Einzelnen gesprochen werden.

2026 entscheidendes Jahr für Reform

Aber auch unabhängig davon wird das Jahr 2026 ein entscheidendes Jahr für die Kreisklinik in punkto Krankenhausreform. Zu dieser gehört nämlich auch die Aufstellung eines jeden Krankenhauses nach so genannten Leistungsgruppen. Diese sollen für die künftige Krankenhausplanung und für die Vergütung von Leistungen entscheidend sein.

So hat auch die Odenwälder Kreisklinik auf der Basis der Fachabteilungen einzelne Leistungsgruppen definiert; wichtige Kenngrößen waren etwa Personalausstattung, Apparaturen und Räume. „Das war ein enormer Aufwand“, sagt Giacaman. Schließlich wurden beim Landesgesundheitsministerium mehr als 50 Leistungsgruppen angemeldet.

Die wird nun durch den Medizinischen Dienst Hessen geprüft. Die Geschäftsführerin rechnet damit, dass diese Prüfung in einigen Monaten abgeschlossen sein wird. Sollte sich dabei herausstellen, dass eine Leistungsgruppe nicht den erforderlichen Kriterien von Bund und Land genügt, etwa dem Personalschlüssel, diese Leistung aber im Kreiskrankenhaus angeboten werden muss, kann das Landesgesundheitsministerium Ausnahmen genehmigen. „Wichtig ist, dass die Versorgung der Bevölkerung sichergestellt wird“, erläutert Giacaman. „Im Odenwaldkreis kann das nur unser Haus gewährleisten.“

Die Geschäftsführerin rechnet nicht damit, dass die Kreisklinik maßgebliche Leistungen abgeben muss. „Wenn, dann wird es sich nur um sehr, sehr kleine Bereiche handeln und auf gar keinen Fall etwas im Zusammenhang mit der Notfallversorgung.“