Landeswohlfahrtsverband ehrt Werner Niebel

Werner Niebel, Sprecher der Selbsthilfegruppe Angst – Panik – Depression Odenwald, der Treffpunkt Kids Korbach und der Verein die Brücke e.V. – Repair-Café aus Bad Hersfeld sind in diesem Jahr die Preisträger des Walter-Picard-Preises des Landeswohlfahrtsverbands (LWV) Hessen. Alexander Heppe, Erster Beigeordneter des LWV Hessen, überreichte jetzt in einer Feierstunde im Kasseler Ständehaus den Preisträgern ihre Urkunde und eine Skulptur als sichtbare Auszeichnung.

Werner Niebel erhält die eine Hälfte des Preises und die beiden anderen Preisträger teilen sich die andere Hälfte. „Ich bin sehr beeindruckt, wie vielfältig das Engagement für psychisch kranke Menschen in den Regionen Hessens ist. Das machte es in diesem Jahr besonders schwierig, eine Wahl unter den 30 Vorschlägen zu treffen. Umso schöner ist, dass wir drei so individuelle Projekte auszeichnen können“, sagte Heppe. Landesdirektorin Susanne Simmler, Vorsitzende der Jury: „Uns imponierten die thematisch so unterschiedlichen Ansätze, die alle auf ihre Art und Weise einen wertvollen Beitrag für psychisch kranke Menschen jeden Alters leisten.“

Niebel ist seit August 2003 Gruppensprecher der Selbsthilfegruppe Angst – Panik – Depression. Es ist insbesondere seinem Engagement zu verdanken, dass die Selbsthilfegruppe heute sieben Gesprächskreise, eine Angehörigengruppe, offene Treffen, einen Stammtisch, einen Handarbeits- sowie eine Wandergruppe und interne Workshops anbietet. Die Gruppe ist auf rund 200 Mitglieder aus dem Odenwaldkreis, dem Raum Darmstadt und der Bergstraße angewachsen.

Werner Niebel hat den Kontakt mit anderen Selbsthilfegruppen, aber auch Psychiatrien, Gesundheitsämtern, Krankenkassen, Gemeinden, sozialen und kirchlichen Trägern sowie der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) gesucht und die Zusammenarbeit ausgebaut. Daneben ist er sehr aktiv in der Öffentlichkeitsarbeit: Er organisiert öffentliche Vorträge und Lesungen, schrieb zwischen 2016 und 2018 eine monatliche Kolumne für das „Odenwälder Journal“ zu den Themen seelische Gesundheit, Menschen mit Beeinträchtigungen und Inklusion. Seit einigen Jahren ist er in einem weiteren Ehrenamt tätig und zwar in der Unabhängigen Beschwerdestelle Psychiatrie Odenwald. Er ist Gründungsmitglied des Gemeindepsychiatrischen Verbunds Odenwald. Zudem arbeitet er im Verein T.o.B.e. Toxische Beziehungen überwinden e.V. mit.

Werner Niebel wird besonders für sein langjähriges und ehrenamtliches Engagement für die Verbesserung der Situation psychisch kranker Menschen und den Abbau von Vorurteilen gegenüber psychisch Erkrankten ausgezeichnet. „Bei allem, was ich tue, vergesse ich die Liebe zu den Menschen nicht und höre auf mein Herz“, sagte er.

Die Treffpunkt Kids Korbach sind ein niederschwelliges, präventives Gruppenangebot für Kinder, deren Eltern psychisch erkrankt sind. Hier wird den besonders belasteten Kindern aus der Region Korbach Sicherheit, Verständnis und eine altersgerechte Unterstützung geboten. Das Angebot wird von einem Team des Psychosozialen Zentrums Korbach organisiert. 

Das Repair-Café ist eine Gemeinschafts-Initiative des Vereins die Brücke e.V. und des Magistrats der Stadt Bad Hersfeld. Ziel ist, Abfall zu reduzieren, indem Bürgerinnen und Bürgern geholfen wird, ihre kaputten Gegenstände zu reparieren, statt sie wegzuwerfen. Repariert werden die verschiedenen Dinge zweimal in der Woche von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen – unter fachlicher Begleitung der Mitarbeitenden von die Brücke e.V. Damit ist das Repair-Café weit mehr als eine Werkstatt für defekte Alltagsgegenstände.

Der Walter-Picard-Preis, 2001 von der LWV-Verbandsversammlung ins Leben gerufen, ist mit 5.000 Euro dotiert. Er wird alle zwei Jahre für besonders nachahmenswertes ehrenamtliches Engagement oder professionelle Projekte in der hessischen Gemeindepsychiatrie vergeben. Namensgeber ist der Sozialpolitiker Walter Picard aus Offenbach: Er war einer der Initiatoren der Psychiatrie-Enquête, die ab 1975 maßgeblich zur Verbesserung der psychiatrischen Versorgung in Deutschland beigetragen hat. Picard gehörte dem Bundestag an und war lange Abgeordneter der Verbandsversammlung des LWV. Ihm lag es besonders am Herzen, offene und wohnortnahe Hilfen für psychisch kranke Menschen zu schaffen. Auch für die Stärkung von Selbsthilfe-Projekten setzte sich Picard ein. Der Preis wurde 2026 zum 13. Mal vergeben.