Für den Pflegestützpunkt im Landratsamt ist 2026 ein besonderes Jahr: Er wurde vor zehn Jahren gegründet und kann somit ein kleines Jubiläum begehen. Eine Dekade Beratung und Unterstützung für ältere Menschen und ihre Angehörigen rund um ambulante und stationäre Pflege wertet der Erste Kreisbeigeordnete Oliver Grobeis als „Beweis für ein Erfolgsmodell, das vielen Menschen geholfen hat und weiterhin helfen wird“. Eindrucksvoll belegt das ein Wert: Die Zahl der Gesamtkontakte des Pflegestützpunkts lag im Jahr 2024 bei rund 1.470. Sie ist seit der Gründung stetig gestiegen. Die Statistik für 2025 wird derzeit erstellt; bereits klar ist aber schon, dass die Nachfrage sehr groß geblieben ist.
Die zweite tragende Säule der Hilfe für Seniorinnen und Senioren im Landratsamt ist die Abteilung Soziale Sicherung unter der Leitung von Eva Wieck, vor allem was die Netzwerkarbeit in der Altenhilfe und die Leistung „Hilfe zur Pflege“ angeht. „Auch hier wird viel Wertvolles getan – hinter den Kulissen und direkt für die Hilfesuchenden“, so Grobeis.
Personell und inhaltlich ist diese Abteilung eng mit dem Pflegestützpunkt verzahnt. Der Stützpunkt selbst ist eine gemeinsame Beratungsstelle der Kreisverwaltung und des Verbands der Ersatzkassen, die je eine Vollzeitstelle zur Verfügung stellen. Last but not least hat auch die Gesundheitsmanagerin des Kreises, die direkt beim Landrat angesiedelt ist, die Bedarfe älterer Menschen im Blick und setzt Akzente. So viel zur Struktur. Worum aber kümmern sich die Fachleute inhaltlich?
Zeit für eingehende Beratung, Vortragsreihe im Februar und März
„Stark zugenommen hat die Zahl der Anfragen zur Einstufung der Pflegebedürftigkeit“, berichtet Susanne Gerhardt. Sie ist von der DAK Gesundheit für die Arbeit im Pflegestützpunkt entsandt. „Bis alles geklärt ist, kann es schon eineinhalb bis zwei Stunden dauern.“ Diese Unterstützung dient der Vorbereitung auf die verbindliche Festlegung eines Pflegegrads durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen.
„Einen besonderen Fokus legen wir auf die häusliche Versorgung, weil das auch der Wunsch der meisten Pflegebedürftigen ist“, so Gerhardt. Genauso gehören aber auch Beratungen für eine (teil-)stationäre Pflege zum Angebot. „Ob ambulant oder stationär – Fragen gibt es immer“, weiß Gerhardt. Wer kann mich zuhause gut pflegen? Wie komme ich an zuverlässige Kräfte? Welches Heim ist für mich geeignet? Was kostet das alles?


Zu Fragen wie diesen bietet der Pflegestützpunkt zusammen mit der Volkshochschule Odenwaldkreis im Februar und März 2026 eine Vortragsreihe an, in dem es auch technische Hilfsmittel geht (s. Fotos oben und rechts; Termine am Ende des Textes).
Die Aufgaben im Pflegestützpunkt teilt sich das Team auf. Die allgemeine Pflegeberatung und das konkrete Fallmanagement obliegen Susanne Gerhardt. Die zweite Vollzeitstelle teilen sich drei Beschäftigte der Kreisverwaltung, die in der Abteilung Soziale Sicherung noch weitere Aufgaben haben. Eine Mitarbeiterin ist Anette Kalberlah.
Pflegeplatzbörse und Seniorenwegweiser
Zu ihren Aufgaben im Pflegestützpunkt gehört das Management von Daten zum Leistungsangebot für ältere Menschen. So gibt es seit 2020 eine digitale Pflegeplatzbörse, die freie Plätze in der Kurzzeit-, Tages- und Dauerpflege aufzeigt. Betrieben wird die Seite vom Odenwaldkreis, für die Pflege der Angaben sind die jeweiligen Einrichtungen zuständig. „Das ist eine niedrigschwellige Hilfe mit einer guten Übersicht“, so Kalberlah, die in der Kreisverwaltung als Altenhilfeplanerin tätig ist.
Als solche hatte Kalberlah schon 2008 den Seniorenwegweiser aufgelegt, der immer wieder aktualisiert wurde. Seit 2024 gibt es den Wegweiser auch als App auf dem Mobiltelefon. Umgesetzt wurde dies mittels einer Arbeitsmarkt-Maßnahme der Kreistochter InA gGmbH im Auftrag des Kommunalen Job-Centers. „Davon profitieren letztlich alle, die Teilnehmenden der Maßnahme und die Seniorinnen und Senioren mit ihren Familien“, bilanziert Eva Wieck, die Leiterin der Abteilung Soziale Sicherung.
Pflege-Finanzierung ein Thema in fast jeder Familie
Wie Wieck, Gerhardt und Kalberlah wissen, ist die Finanzierung von Pflegeleistungen ein sehr großes Thema für die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen. „Hierzu gibt es in fast jeder Familie Sorgen, die mitunter existentiell sind“, wie Gerhardt schildert. Zumal die ambulante wie die stationäre Pflege jüngst im ganzen Land teurer geworden sind. Das hängt nicht zuletzt mit der tarifgebundenen Entlohnung von Mitarbeitenden zusammen, die seit dem 1. September 2022 umgesetzt werden muss.
„Natürlich müssen Pflegekräfte angemessen bezahlt werden, denn sie leisten eine enorm wichtige Arbeit“, so der Erste Kreisbeigeordnete Grobeis. „Wenn Pflegesätze erhöht werden, steigt aber auch der Eigenanteil, den Pflegebedürftige leisten müssen.“ Dieser Anteil kann immer öfter nur mit Unterstützung des Staates aufgebracht werden: der Leistung „Hilfe zur Pflege“. Das Spektrum reicht von der ergänzenden Unterstützung bei Pflegehilfsmitteln und häuslicher Pflegehilfe bis hin zur vollstationären Pflege.
Die Gewährung jener Hilfen gehört zu den Aufgaben von Wiecks Abteilung. Im Jahr 2025 waren dafür rund fünf Millionen Euro im Kreishaushalt eingestellt. „Das ist enorm viel Geld“, so Wieck, „aber wir prüfen jeden Antrag sehr sorgfältig.“ Dabei liegt der Odenwaldkreis bei den durchschnittlichen Pflegekosten noch in einem eher unteren Bereich.
Bedeutung von Prävention und Vor-Ort-Versorgung
Umso wichtiger ist die Prävention. Das ist eines der Arbeitsfelder von Anika Schilder als Gesundheitsmanagerin des Kreises. Zum Beispiel hat sie ein Förderprojekt der Gesetzlichen Krankenversicherungen an Land gezogen, das die Gesundheitsförderung älterer Menschen in vier Tagespflegeeinrichtungen zum Inhalt hat. Das Präventionsprojekt startete im Februar 2025 und wird vom Verband der Ersatzkassen gefördert. Der Odenwaldkreis ist Pilotregion.
Gemeinsam mit der ebenfalls beim Landrat angesiedelten Fördermittelberaterin Ulrike Büchner hat Schilder die Stadt Oberzent darin unterstützt, eine Gemeindeschwester anzustellen, die sich vor Ort um die Belange älterer, pflegebedürftiger Menschen kümmert. Auch der Stadt Bad König standen die beiden Expertinnen zur Seite, so dass eine solche Stelle geschaffen werden konnte; das Bewerbungsverfahren läuft derzeit. Gemeindepflegekräfte sind wichtige Ansprechpartner für ältere Menschen, koordinieren notwendige Maßnahmen und kümmern sich um die psychosoziale Begleitung.
Netzwerkarbeit
Um die Arbeit zugunsten älterer Menschen kreisweit zu koordinieren, sind zwei Gremien entscheidend, die Anette Kalberlah inhaltlich begleitet: die Seniorenkommission und die Pflegekonferenz, die jeweils einmal jährlich stattfinden.
Die Seniorenkommission ist das politisch relevante Gremium, das in allen grundsätzlichen Angelegenheiten, die ältere Menschen betreffen, von der Kreisverwaltung einzubinden ist. Der Kommission gehören unter anderem Kreistagsmitglieder sowie Vertreter der Wohlfahrtsverbände und Kirchen an. Die Pflegekonferenzen gibt es seit 2016. Hierzu werden Repräsentanten von Altenpflegeeinrichtungen, Träger der Altenpflege, Seniorenvertretungen eingeladen. Last but not least gibt es einen regelhaften Austausch mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kommunen und den örtlichen Generationenhilfen.
Termine der Vortragsreihe von Pflegestützpunkt und Volkshochschule:
11. Februar 2026, 18 Uhr (online): Pflegebedürftigkeit – Was ist das?
25. Februar 2026, 18 Uhr (online): Wie organisiere ich Pflege? Möglichkeiten und Finanzierung
11. März 2026, 18 Uhr (online): Vereinbarkeit von Pflege und Beruf
26. März 2026, 18 Uhr (Präsenzveranstaltung): Vorstellung technischer Hilfsmittel für Seniorinnen und Senioren
Nähere Informationen gibt es hier.
