Was haben der Gotthardtunnel, der Eurotunnel und die Londoner U-Bahn gemeinsam? Überall steckt Technik und Know-how des Michelstädter Familienunternehmens Mühlhäuser drin. Doch die Erfolgsgeschichte der Firma geriet 2019 ins Wanken: Sie musste Insolvenz anmelden. Ein US-Investor ermöglichte schließlich die Rettung der Patente – und die Rückkehr an den Standort an der B 47 unter Geschäftsführer Paul Zeder. Insgesamt flossen rund sechs Millionen Euro aus Colorado in den Odenwaldkreis für das neue Unternehmen ME Mining Equipment Europe GmbH. Landrat Frank Matiaske und die Leiterin der Stabsstelle Wirtschaftsförderung, Gabriele Quanz, machten sich vor Ort ein Bild von der Entwicklung.
„Mit unseren Schienenfahrzeugen für den Tunnelbau bedienen wir einen internationalen Nischenmarkt. Wir verkaufen selbst produzierte Wagen für ein Projekt – oft mit individuellen Anpassungen für die jeweilige Baustelle. Nach Abschluss der Arbeiten kaufen wir unsere Maschinen wieder zurück und lagern sie auf dem Firmengelände, bis sie überholt und aufbereitet für ein neues Projekt zum Einsatz kommen“, erklärt Zeder den Gästen die Abläufe vor Ort.
Diese Nachhaltigkeit spiegelt sich auch bei der Modernisierung des Produktionsstandorts wieder: „Die Produktionshallen haben neue Dächer inklusive Photovoltaikanlagen bekommen. So produzieren wir fast das ganze Jahr den Strom, den wir benötigen selber und speisen sogar noch ins Netz ein.“ Auch das jüngst renovierte Bürogebäude soll noch mit einer entsprechenden Anlage ausgestattet werden. Die Ausstattung mit den PV-Anlagen wurde durch Bundesmittel gefördert. Komplettiert wird die Anlage durch eine Batteriespeicherung, der die sonnenarme Zeiten überbrückt. Die Nachhaltigkeit war aber nur ein Grund für die Modernisierung. „Dank der Investoren Matthew und Robert Pope, die in den USA eine ähnliche Produktionsstätte betreiben, konnten wir in Michelstadt eine moderne Produktionsstätte für aktuell 30 Mitarbeitende schaffen“, freut sich Zeder. Davon konnten sich auch Landrat Matiaske und Wirtschaftsförderin Quanz bei einem Rundgang über das Gelände überzeugen.
Das Unternehmen ist bekannt für innovative Lösungen beim Bau der Schienenfahrzeuge. Dabei muss aber auch die Technik in Form von Software für Bedienung und Service mithalten. „Welche Möglichkeiten uns der der Einsatz von KI eröffnet, ist eine der aktuellen Fragen“, so Zeder. Unterstützung dabei gibt es vor Ort: Gabriele Quanz wird den Kontakt zum Kompetenzzentrum für Digitalisierung im ländlichen Raum (KDLR) herstellen, dass im Lern- und Forschungszentrum Odenwald (LEFoO) am Beruflichen Schulzentrum angesiedelt ist. Es wurde eingerichtet, um kleine und mittlere Unternehmen rund um das Thema Digitalisierung zu beraten, also auch zur effektiven Nutzung von KI.

„Ein amerikanischer Investor hat einem Odenwälder Unternehmen aus der Bredouille geholfen. Das ist höchst erfreulich und anerkennenswert und zeigt, dass die internationalen Wirtschaftsbeziehungen funktionieren. Doch Geld alleine löst bekanntlich nicht alle Probleme. Was sind die größten Herausforderungen für Mining Equipment Europe?“, wollte Matiaske wissen. Neben dem Fachkräftemangel sei es vor allem die Zollpolitik, berichtet Zeder. Das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Indien, das jüngst beschlossen wurde, sei dagegen eine gute Nachricht: „Indien ist ein sehr deutschlandfreundlicher Markt, auf dem wir gerne und gut Geschäfte machen. Das Abkommen wird uns das immens erleichtern.“
