Das Landratsamt steht den Städten und Gemeinden in vielfacher Weise zur Seite, wenn es um die Umsetzung von Projekten geht, die kreisweit umgesetzt werden sollen oder größere Erfahrungen im Fördermittel-Management bedingen. Beispiele dafür sind etwa die in der Stabsstelle von Landrat Frank Matiaske angesiedelte Fördermittelberatung und Beratung in punkto Gesundheitsprävention, sowie die Hilfen der Abteilung Dorf- und Regionalentwicklung und der Zentralen Vergabestelle, die im Rahmen einer Interkommunalen Zusammenarbeit im Eigenbetrieb Bau- und Immobilienmanagement Odenwaldkreis eingerichtet wurde.
Nun ist mit „kommunal360 – verbinden im Odenwaldkreis“ ein weiteres Projekt hinzugekommen. Es baut auf dem Programm „Katastrophenschutz goes digital“ auf, das im Juni 2025 erfolgreich abgeschlossen wurde. Zentrales Anliegen war und ist die Verbesserung des Bevölkerungsschutzes in der Region durch ein digitales Frühwarnsystem mit dem Fokus auf Extrem-Wetterereignissen wie Hochwasser und Waldbrand.
Um das umzusetzen, wird LoRaWAN-Technologie eingesetzt. Darüber hat die Kreisverwaltung mehrfach berichtet. LoRaWAN (Long Range Wide Area Network) ist ein energieeffizientes Funknetz, das kleine Datenmengen über viele Kilometer hinweg zwischen batteriebetriebenen Sensoren und dem Internet überträgt – ideal für Anwendungen wie Smart City, Landwirtschaft oder Gebäudetechnik.
Ziel des Projekts „kommunal360 – verbinden im Odenwaldkreis“, das in enger Zusammenarbeit zwischen dem Odenwaldkreis und seinen zwölf Kommunen durchgeführt wird, ist es nun, diese schrittweise an die LoRaWAN-Technologie heranzuführen und sie aktiv bei der Umsetzung digitaler Anwendungen zu unterstützen.
Der Odenwaldkreis übernimmt hierbei die Rolle eines zentralen Ansprechpartners. Alle beteiligten Städte und Gemeinden arbeiten an einem ersten Pilotanwendungsfall: der Installation und Nutzung von LoRaWAN-Rauchmeldern in Feuerwehrhäusern und kommunalen Liegenschaften. Die Auswahl und Beschaffung der Infrastruktur erfolgt dezentral, wobei die Kommunen individuelle Entscheidungen treffen können. Gleichzeitig sorgt die kreisweite IoT-Infrastruktur für eine übergreifende Verbindung und gewährleistet eine einheitliche Basis. Der Odenwaldkreis unterstützt die Städte und Gemeinden während des gesamten Prozesses, was deren Vernetzung untereinander stärkt und einen intensiven Austausch von Wissen und Erfahrungen fördert.
Rauchmelder mit LoRaWAN-Funktionalität bilden das Herzstück des Überwachungssystems im Odenwaldkreis. Mit der Montage wurde jetzt begonnen. So etwa im Feuerwehrhaus an der Illigstraße in Erbach. Landrat Matiaske sagte jüngst bei einem Ortstermin: „Wir nutzen moderne Technik zum Schutz von wichtigen Einrichtungen, die bei Bränden oder im Katastrophenfall funktionsfähig sein müssen. Damit kommt LoRaWAN nicht nur den Einsatzkräften, sondern letztlich auch der ganzen Bevölkerung zugute.“
Diese Melder erfassen und übermitteln kontinuierlich Informationen zu ihrem Wartungszustand und senden im Alarmfall eine Meldung an die zentrale IoT-Infrastruktur. Bei Erkennung eines Brandes durch den Rauchmelder wird ein Alarm ausgelöst, der lokal durch akustische und optische Signale am Melder und optional im gesamten Gebäude sowie fern durch Benachrichtigungen per SMS, E-Mail oder Anruf erfolgen kann.
Angebracht werden die Rauchwarnmelder nicht nur in Feuerwachen, sondern auch in Feuerwehrfahrzeugen, wie Projektleiterin Bettina Helfrich, eine Mitarbeiterin des Landratsamts, erläuterte. „Dank der LoRaWAN-Rauchwarnmelder, die moderne Sensortechnik mit energieeffizienter Funkkommunikation kombinieren, können Brände oder technische Störungen wesentlich früher erkannt werden.“ Hintergrund ist der Brand in Feuerwehrgerätehäusern – kürzlich auch in Hessen –, die einen erheblichen Sachschaden angerichtet und dadurch auch die Einsatzfähigkeit der jeweiligen Feuerwehr über einen längeren Zeitraum beeinträchtigt haben.
Förderung durch das Hessische Digitalministerium
Landrat Matiaske dankte dem Hessischen Digitalministerium, das das Projekt im Rahmen des Programms „Starke Heimat Hessen“ fördert. Die geplanten Gesamtkosten liegen bei rund 676.500 Euro, die Fördersumme beträgt 608.850 Euro. „Wie schon beim Projekt ,Katastrophenschutz goes digital‘ haben wir mit dem Ministerium einen starken Partner an unserer Seite, der den Odenwaldkreis auf dem weiteren Weg zur ,Smart Region‘ unterstützt“, so der Landrat.
Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus verweist darauf, dass dem Land der Transferaspekt bei den Förderprojekten äußerst wichtig ist, damit möglichst viele Kommunen von der Förderung profitieren: „Bei dem erfolgreich umgesetzten Projekt ‚Katastrophenschutz goes digital‘ wurde von Anfang an mitgedacht, dass LoRaWAN auch vielfältige andere Anwendungsmöglichkeiten für die Kommunen bietet und dementsprechend gemeinsam Know-how in allen Kommunen aufgebaut wird. Im Zuge dessen wurde das Interesse an der Nutzung der installierten IoT-Infrastruktur im Kreis geweckt.“
Diese Infrastruktur gewährleiste jetzt eine flächendeckend einheitliche Basis für das aktuelle Projekt und viele weitere Anwendungsfälle, so die Ministerin weiter. „Die Funktionsweise, über einen interkommunal wirkenden Pilotanwendungsfall kreisweit einzuführen und digitale Kompetenzen in allen Kommunen aufzubauen, ist ein smarter Weg, der einen direkten Nutzen für die Bevölkerung bringt. Zudem werden die Projektergebnisse für alle hessischen Kommunen nachnutzbar zur Verfügung gestellt.“
Das Projekt hat also Modellcharakter, denn in ihm werden nun Erfahrungen gesammelt, die für weitere digitale LoRaWAN-Anwendungen zur Verbesserung der Lebensqualität in den einzelnen Städten und Gemeinden hilfreich sein können. Denkbar sind zum Beispiel Einsatzfelder wie Energie- und Gebäudemonitoring, intelligente Straßenbeleuchtung, Abfallmanagement oder intelligente Verkehrssysteme.
