Wobei digitale Medien helfen können
und wann sie schädlich sind

Digitale Medien sind auch aus dem Alltag von Kindern nicht mehr wegzudenken. Das birgt Chancen, aber auch Risiken – was Eltern sowie Pädagoginnen und Pädagogen in Kindertagesstätten und Schulen vor besondere Aufgaben stellt. Darum ging es in einer Fachtagung, zu der Gertrud Platt-Rossbach und Jihan Baday vom Jugendamt des Odenwaldkreises unter der Überschrift „Wischen, tippen, staunen – Kinder in der digitalen Welt“ eingeladen hatten. Rund 100 Fachkräfte aus Kitas, Grundschulen, Jugendhilfeträgern, Beratungsstellen und der Medizin waren am Mittwoch (19.11.) ins Haus der Energie/Volksbank-Atrium nach Erbach gekommen. Begrüßt wurden sie von der Leiterin des Jugendamts, Karina Glabisch.

„Diese große Resonanz freut uns sehr, denn die richtige Mediennutzung von Kindern, kleinen Kindern zumal, ist in allen Familien ein wichtiges Thema“, so Platt-Rossbach. Sie koordiniert das Netzwerk Frühe Hilfen im Odenwaldkreis. Ihre Kollegin Baday ist gemeinsam mit dem Gesundheitsamt für das Projekt „Präventionskette“ zuständig. In beiden geht es darum, dass Kinder vom Säuglingsalter an über das Kita- bis zum Grundschulalter gut aufwachsen können.

Platt-Rossbach hob hervor, dass Kinder in den ersten drei Lebensjahren überhaupt keine mobilen Endgeräte in die Hände bekommen sollen: „Das Motto ,Null bis drei handyfrei' ist ein absolutes Muss." Das gelte schon allein mit Blick auf das Erlernen der Sprache: „Hier brauchen Kinder das direkte Gegenüber von Erwachsenen.“ Baday empfiehlt Eltern, die Nutzung digitaler Medien für Kinder strikt zu begrenzen, „für Kinder im Kita-Alter allerhöchstens eine halbe Stunde am Tag“.

Beide sehen aber auch Chancen in diesen Medien. „Sie können zum Beispiel Spaß am Lernen vermitteln“, so Baday. „Hierzu ist es aber wichtig, dass Eltern die richtigen Apps mit klaren Lernzielen auswählen.“ Grundsätzlich gelte, betonte Platt-Rossbach, „dass Eltern wissen müssen, was ihre Kinder sich anschauen und mit ihnen darüber sprechen“.

Um Eltern mit Know-how zu unterstützen, sind pädagogische Fachkräfte unerlässlich. „Deswegen war uns diese Tagung so wichtig“, hoben Platt-Rossbach und Baday hervor. Den fachlichen Impuls zu einer sinnvollen wie auch problematischen Mediennutzung von Kindern und medienpädagogischen Grundlagen gab Peter Holnick, Geschäftsführer des Instituts für Medienpädagogik und Kommunikation Hessen. Eine seiner Kernaussagen war, dass Erwachsene einerseits die Nutzung digitaler Medien bei Kindern steuern müssen, andererseits aber auch für sich ein richtiges Maß finden müssen, um nicht selbst von jenen Medien gesteuert zu werden.

Anschließend fanden drei Workshops statt. In ihnen ging es darum, wie Kinder digitale Medien angemessen nutzen können, wie Fachkräfte mit Eltern sprechen, wenn die Mediennutzung Fragen aufwirft, und wie die Fachkräfte selbst digital kompetenter werden können.

Überdies konnten die Teilnehmenden Apps für Kinder ausprobieren, die Angebote des Jugendamts zur Unterstützung von Kindern und deren Eltern kennenlernen, in Fachbüchern stöbern und sich untereinander austauschen. „Diese Mischung kam bei den Teilnehmenden gut an. Sie brauchen Unterstützung, denn die Erfahrungen, die Kinder mit digitalen Medien machen, begleiten ihren beruflichen Alltag in Kitas und Schulen stark“, so Platt-Rossbach.

Sie lenkt den Blick aber noch auf einen weiteren elementar wichtigen Aspekt im Aufwachsen von Kindern, den kein Medium wettmachen kann: „Sie müssen körperlich aktiv sein, damit sie sich und die Welt erfahren können. Das kann nicht digital ersetzt werden.“