Odenwald-Idylle

Ist der Odenwald wirklich so idyllisch, wie ein flüchtiger Blick von außen vermuten lässt? Angeregt durch eine ZEIT-Rezension zu Thomas Meineckes Roman Odenwald geht Thomas Seifert der Frage nach, ob sich hinter den grünen Hügeln nicht weit komplexere Geschichten verbergen. Mit großartiger Belesenheit und feiner Ironie durchstreift Seifert Jahrhunderte der Literatur: vom Nibelungenlied und Parzival über die Romantik bis hin zu den volkstümlichen Werken eines Karl Schäfer, Philipp Buxbaum oder Adam Karillon. Dabei zeigt sich, dass das literarische Bild des Odenwaldes nie rein idyllisch war – vielmehr mischen sich darin stets Verlust, Sehnsucht und die Härten des Landlebens.

Mit sicherem Gespür für sprachliche Nuancen entwirft Seifert einen Überblick über Mythen, Märchen, Realismus und Moderne. Er verknüpft literarische, gesellschaftliche und politische Bezüge kunstvoll miteinander und macht anschaulich, wie sich Vorstellungen von Heimat und Idylle im Lauf der Zeit wandelten. Ein Beitrag voller Esprit, Tiefe und feiner Leselust.

(verfasst von Jeannette Schmidt-Herrmann)