Odenwälder Kauderwelsch

Im Odenwald spricht man nicht nur Dialekt – man spricht Geschichte. In seinem Beitrag über das Odenwälder Kauderwelsch zeigt Werner Heil, wie sich im Laufe der Jahrhunderte fremde Sprachen in die Mundart eingeschlichen und sie mitgeprägt haben. Besonders das Französische, das seit den Kreuzzügen als Sprache der europäischen Kultur galt, hinterließ deutliche Spuren. Wer weiß heute noch, dass so manche Scheese mehr war als eine Kutsche – nämlich auch eine sonderbare Person?

Heil beschreibt, wie französische Klänge und jiddische Lebensweisheit in den Sprachschatz der Odenwälder eingewandert sind, ganz so, wie einst Händler, Soldaten und Landstreicher über die Hügel zogen. Zwischen Postkutschen und Bajes, zwischen la chaise und Massik entfaltet sich ein sprachliches Mosaik, das vom Leben, Lachen und Leiden vergangener Zeiten erzählt. Was für Außenstehende wie Kauderwelsch klingt, ist für die Einheimischen ein Stück Heimatgefühl – ein Echo der regionalen Geschichte.

(verfasst von Jeannette Schmidt-Herrmann)