Lehrer Hermann Kahn, Schulrat Wilhelm Gerbig und die Jüdische Bezirksschule in Höchst im Odenwald (1935–1938)

Ein Judenlehrer und ein christlicher Schulrat schufen eine Privatschule nach gesetzlichen Vorgaben, gegen lokale NS-Parteifunktionäre, ohne jegliche öffentliche Mittel. Die Schüler kamen aus sieben Israelitischen Gemeinden im Kreis Erbach und aus zwei Orten im Kreis Dieburg. Sie kamen zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit der Eisenbahn oder mit einem kleinen Opelbus. Schulleiter Kahn wohnte bei der Schule, weitere Lehrer wohnten in Michelstadt, Reichelsheim, Fränkisch-Crumbach, Pfungstadt. Welche Hoffnungen sich mit dieser Schule verbanden, formulierte Lehrerin Margarete Oppenheimer. Das bittere Erwachen kam spätestens mit dem Novemberpogrom 1938. 

Brigitte Diersch studierte Akten des Kreisschulamtes Erbach, Akten der Ministerialabteilung für Bildungswesen in Darmstadt, Zeitungsberichte, Zeitzeugenberichte ehemaliger Schüler. Sie schreibt ein Kapitel NS-Schulgeschichte, das von Judenverfolgung und von Widerstand erzählt. Sie schreibt seit zwanzig Jahren im „gelurt“.

(verfasst von Brigitte Diersch)