Die Kellerei in Michelstadt, heute Stadtmuseum und Stadtbücherei, birgt Spuren einer längst verschwundenen Burg der Schenken zu Erbach. Erst der Brand von 1997 öffnete den Südflügel und enthüllte den Torraum, der Hinweise auf Wehrhaftigkeit und strategische Baukunst preisgab. Dieser Raum und die ihn umgebenden Strukturen zeigen, dass Michelstadt bereits im späten 13. Jahrhundert ein strategisch wie symbolisch bedeutender Ort war, an dem die Schenken ihren Einfluss im Mümlingtal festigten. Urkunden und archäologische Grabungen belegen, dass die Anlage wiederholt zerstört, erneuert und in Konflikten immer wieder zum Brennpunkt wurde.
Antje Vollmer erläutert die strategische Bedeutung der Burg als Ausdruck politischer Präsenz und Macht. Eng verbunden mit der Burg Fürstenau spielte sie eine Schlüsselrolle im jahrhundertelangen Ringen zwischen Mainz und Pfalz um den Odenwald. Anschaulich beschreibt die Autorin den Wandel der Anlage und erinnert daran, dass der Torraum im Südflügel der Kellerei ein greifbares Zeugnis dieser Vergangenheit ist – ein Schlüssel zur Geschichte Michelstadts und zur Entstehung der Grafschaft Erbach.
(verfasst von Jeannette Schmidt-Herrmann)
