Hans-Günther Morr nimmt die Leser mit auf eine Reise in den Überwald jener Zeit, als das tägliche Auskommen vor allem von harter Arbeit, Geschick und der Nutzung der Natur abhing. Mit lebhaften Schilderungen lässt er die Welt der Besenbinder wieder aufleben – jener Familien, die im ausgehenden Winter in die Birkenwälder zogen, um das wertvolle Reisig für die Besenherstellung zu sammeln. Atmosphärisch beschreibt Morr, wie aus unscheinbaren Birkenästen durch Schneiden, Biegen, Pressen und Binden ein unverzichtbares Werkzeug für Hof und Haushalt entstand. Die Erzählungen über den Verkauf der Besen, über vollbeladene Handwagen und ganze Eisenbahnwaggons voller Reisigware verdeutlichen die wirtschaftliche Bedeutung dieser Fertigkeit.
Dabei widmet sich der Autor auch jenen Menschen, die das Wissen um dieses Handwerk bewahrten – insbesondere den Brüdern Knopf, deren Vorführungen und das von ihnen überlieferte Besenbinderlied heute wahre Schätze der Überwälder Kulturgeschichte sind.
(verfasst von Jeannette Schmidt-Herrmann)
