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Serie Europa und der Odenwald (3): Millionen für Landwirtschaft, Regionalentwicklung und Gründer

Im Stadtteil: Ein Schild am Zaun des Alten Schulhauses in Michelstadt-Steinbach weist auf Fördermittel hin, die auch aus der EU kamen. Foto: Kreisverwaltung

Auf dem Feld: Mit mehreren Millionen Euro unterstützt die EU die Odenwälder Landwirtschaft. Foto: Kreisverwaltung

Mit Gründergeist: Zu der mit EU-Mitteln geförderten Gründungsoffensive Bergstraße-Odenwald gehören auch Gründerwettbewerbe. Den jüngsten Wettbewerb im November 2018 gewannen Chris Keylock, Michelstadt, und Grazyna Tönnesmann, Mossautal (Mitte). Ihnen gratulierten in der Koziol-Glücksfabrik (von links) die OREG-Geschäftsführer Detlef Kuhn und Marius Schwabe, Fred Schweikert von der Volksbank Odenwald, Günther Hans von der Sparkasse Odenwaldkreis und Landrat Frank Matiaske. Foto: OREG

Was wäre der Odenwaldkreis ohne Fördermittel aus der Europäischen Union (EU)? Genau: ärmer. Ärmer zum Beispiel an Möglichkeiten, Projekte in der Dorf- und in der Regionalentwicklung in die Tat umzusetzen, die das Bild von Städten und Gemeinden positiv prägen. Wie etwa der Balancier-Parcours in Bad König oder der Energieweg in Erbach, Projekte, deren Kosten zu mehr als der Hälfte aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums, kurz ELER, gedeckt werden konnten. Oder der Kindergarten im Alten Schulhaus in Michelstadt-Steinbach, dessen Außen- und Innensanierung vor einigen Jahren zu etwa einem Viertel aus dem ELER im Rahmen der Dorfentwicklung unterstützt wurde.

 

Nimmt man alle EU-Mittel in der Regionalentwicklung zusammen, flossen von 2014 bis 2018 rund 955.000 Euro in den Odenwaldkreis, in der Dorfentwicklung sind es 316.000 Euro. Damit aber nicht genug: Mit 480.000 Euro wurden in jenem Zeitraum einzelne landwirtschaftliche Betriebe unterstützt (unter anderem bei der Anschaffung neuer Maschinen oder Investitionen für „Urlaub auf dem Bauernhof“), und sage und schreibe sechs Millionen Euro pro Jahr, also insgesamt 30 Millionen Euro, betrug die landwirtschaftliche Förderung (zum Beispiel Direkt- und Ausgleichszahlungen). Die Fachleute der Kreisverwaltung für all diese Leistungen sitzen in der Hauptabteilung Ländlicher Raum, Veterinärwesen und Verbraucherschutz in Reichelsheim. Über ihre Schreibtische laufen die Förderanträge und die Bewilligungen.

 

Der für diese Hauptabteilung und für Europa-Angelegenheiten zuständige Kreisbeigeordnete Dr. Michael Reuter ist dafür, mit Schildern oder auf andere geeignete Weise deutlich zu zeigen, was alles mit EU-Mitteln gefördert wird. „Das ist nicht bekannt genug bei uns.“

 

Der Odenwaldkreis ist eine so genannte Leader-Region. „Leader“ steht für „Liaison Entre Actions de Développement de l'Économie Rurale“ („Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft“). Leader ist ein methodischer Ansatz im Rahmen des ELER zur Förderung der ländlichen Räume. Hier können Menschen vor Ort die Prozesse mitgestalten. Die Förder-Entscheidungen über die Leader-Mittel in der Regionalentwicklung trifft die Interessengemeinschaft Odenwald (IGO) auf der Grundlage eines Regionalen Entwicklungskonzepts, das regelmäßig fortgeschrieben wird. Eine solche lokale Arbeitsgruppe gibt es in jeder europäischen Leader-Region.

 

Vorstandsvorsitzender der IGO, der zahlreiche Kommunen, Organisationen und Unternehmen angehören, ist Landrat Frank Matiaske. Auch er weiß um die Bedeutung der EU-Mittel für den Odenwald. „Sie sind schon jetzt eine nicht wegzudenkende Hilfe. Um sie aber noch besser als bisher auszuschöpfen und auch an andere Förderprogramme zu gelangen, müssen wir uns neue Lösungen überlegen.“ So plant Matiaske, eine Förderberatung für die Städte und Gemeinden aufzubauen.

 

Geld fließt aber nicht nur in die Förderung des ländlichen Raums. An dieser Stelle können nicht alle Projekte aufgeführt werden. Zum Beispiel wird aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) die Gründungsoffensive Bergstraße-Odenwald gefördert. Aktuell fließen in das Kooperationsprojekt von 1. Januar 2018 bis 15. Dezember 2020 rund 430.000 Euro, die zur Hälfte aus dem EFRE stammen. Empfänger ist die Wirtschaftsförderung des Kreises Bergstraße; ein Teil des Geldes wird an die Odenwald-Regional-Gesellschaft, die Wirtschaftsförderung des Odenwaldkreises, weitergeleitet, die damit Beratungs- und Förderangebote vor Ort aufbaut. Außerdem hat der Odenwaldkreis als Schulträger in den Jahren 2017 und 2018 aus dem EFRE mehr als 50.000 Euro für die Modernisierung von Computer Hard- und Software am Beruflichen Schulzentrum Odenwaldkreis bekommen.

 

Zudem stehen für insgesamt 13 Ausbildungs- und Arbeitsmarktprogramme mehrerer Träger im Odenwaldkreis von 2014 bis 2020 mehr als 527.000 Euro aus dem Europäischen Sozialfonds zur Verfügung. Den Großteil macht die Förderung der Schuldnerberatung und der Qualifizierten Ausbildungsbegleitung in Betrieb und Berufsschule aus.

 

Bisher erschienen: Teil 1
(International gut vernetzt - Partnerschaften mit Städten und Regionen)

 

Bisher erschienen: Teil 2
(„Ein Erfolgsmodell, das wir fortführen müssen“)


23.04.2019


LOGOs: EU Sozialfonds,Hessen und EU Investition in die Zukunft, EFS Für Menschen in Hessen