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    „Wir sind alle gleich und doch alle etwas verschieden“

    Eine besondere Unterrichtseinheit erlebten kürzlich einige Schülerinnen und Schüler der Georg-Ackermann-Schule (Breuberg) und der Carl-Weyprecht-Schule (Bad König). Der Theaterpädagoge Timo Becker kam als „Aushilfslehrer“ Malte Anders an die jeweilige Schule und unterrichtete „Homologie“. Dabei brachte er den Jugendlichen auf humorvolle Art und Weise das Thema Homosexualität näher und beschäftigte sich mit der „Normalität des Anders-Seins“. Neben Hintergrundwissen und Begriffserklärungen gewährte Malte Einblicke in seine persönliche Lebensgeschichte und machte deutlich, wie wichtig gegenseitiger Respekt ist: „Wir sind alle gleich und doch alle etwas verschieden.“

     

    „An Schulen ist besonders eine diskriminierende Alltagssprache wie die gängige Beschimpfung ‚du Schwuchtel‘ ein Problem. Was die Schüler damit anrichten können, ist ihnen häufig nicht bewusst“, erklärt Christian Merkel von der Kinder- und Jugendförderung des Odenwaldkreises. „Damit, dass wir dieses Format an die Schulen holen, wollen wir den Lehrern vor Ort helfen, einen Einstieg in das Thema zu finden und es im Unterricht zu behandeln“, ergänzt der Erste Kreisbeigeordnete und Schuldezernent Oliver Grobeis.

     

    Dazu passt auch, dass der Verein Art-Q, der das Programm „Homologie“ entwickelt hat, den Schulen Material zur Verfügung stellt, um nach dem Besuch von Malte Anders mit den Schülerinnen und Schülern im Gespräch zu bleiben. So wird aus der kabarettistischen Vorstellung zusätzlich ein ernstes Unterrichtsthema.

     

    Im Anschluss an sein Programm gibt Malte allen die Möglichkeit, auf Zetteln anonyme Fragen zu stellen, die er dann vor der Gruppe beantwortet. Dabei interessierten sich die Schüler für sehr unterschiedliche Dinge – von harmlos bis provokant: „Wie hast du gemerkt, dass du schwul bist?“, „Wer war am meisten geschockt über dein Outing?“ aber auch „Willst du nicht hetero und normal werden?“ Für alle hat Malte eine Antwort – und sei es eine Gegenfrage, die zum Nachdenken anregen soll: „Warum soll ich mich verändern, weil andere ein Problem mit meiner Sexualität haben? Das ist doch deren Problem, nicht meins.“

     

    Diese offene, manchmal auch freche Art macht laut Monja Raekow, Lehrerin an der Georg-Ackermann-Schule, das Format aus: „Malte kann den Schülerinnen und Schülern anders begegnen als zum Beispiel wir Lehrer. Dadurch entsteht im Laufe der Veranstaltung eine unbeschwerte Atmosphäre, die die Schüler zum Diskutieren anregt.“ Im Laufe der zwei Stunden sei eine Veränderung der Schüler spürbar gewesen. Waren sie am Anfang noch unsicher oder sogar ablehnend, entstand am Ende ein sehr offener Dialog, beobachtet Raekow.

     

    Schulen, die sich für das Programm „Homologie“ oder eins der anderen Formate des Vereins Art-Q interessieren, können sich an Christian Merkel von der Kinder- und Jugendförderung wenden, um Termine zu vereinbaren (Telefon 06062 70-3911; E-Mail c.merkel@odenwaldkreis.de). Dabei spielt keine Rolle, ob zum Bespiel Schulsozialarbeiter Homosexualität schon im Schullalltag behandelt haben oder ob es bisher kein Thema an der Schule war. Das Programm eignet sich als Einstieg und als Ergänzung bestehender Arbeit. Weitere Information über Art-Q und die einzelnen Programme gibt es im Internet unter www.art-q.net.


    19.12.2019


    LOGOs: EU Sozialfonds,Hessen und EU Investition in die Zukunft, EFS Für Menschen in Hessen