Stephanie Goethals ist neue Leiterin des Kreisarchivs

Von Aschaffenburg in den Odenwald: die neue Kreisarchivarin Stephanie Goethals im Lesesaal des Kreisarchivs.

Archivarinnen und Archivare denken meist in großen Zeiträumen. Auch die neue Kreisarchivarin Stephanie Goethals. Doch es ist nicht der Blick zurück auf Archivalien früherer Jahrzehnte und Jahrhunderte, der sie zuallererst beschäftigt, sondern der Blick nach vorn: „Sagen wir, im Jahr 2050 will ein Klimaforscher den Zusammenhang von Niederschlagsmenge und Baumbestand im Odenwald im Jahr 2020 untersuchen. Was er dazu braucht, sind digital vorliegende Daten – die sind aber bei uns noch nicht archiviert.“

 

Die Betonung in diesem Satz liegt auf „noch“, denn genau das wird eine wichtige Aufgabe von Goethals sein, die ihren Dienst am 1. Juli 2022 begonnen hat: das Kreisarchiv digital aufzustellen. Das hat sie bereits in ihren vorigen Stellen als Leiterin des Stadtarchivs Pfungstadt (1995 bis 2012) und als Archivarin im Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg (2012 bis 2022) gereizt, so dass sie entsprechende Kenntnisse mitbringt.

 

Dass es in der Kreisverwaltung mit „Dokuneo“ bereits ein digitales System der Aktenverwaltung gibt, auf dem sie aufbauen kann, hat Goethals motiviert, sich auf die Stelle der Kreisarchivarin zu bewerben. Nun gilt es, aus den allerersten Schritten, die bereits gemacht wurden, Stück für Stück ein digitales Archivsystem aufzubauen sowie Schnittstellen zu „Dokuneo“ zu identifizieren, damit die als vom Team des Kreisarchivs als relevant erachteten Dateien digital archiviert werden können. Dazu wird Goethals mit vielen Kolleginnen und Kollegen in der Behörde Gespräche führen.

 

Die zweite Säule des digitalen Archivs besteht aus der entsprechenden Aufbereitung bereits vorhandener Archivalien, damit auch sie digital gesichert werden können. „Beides immer mit dem Ziel, diese Daten auch öffentlich zugänglich zu machen“, hebt Goethals hervor. „Dazu ist ein Archiv schließlich da.“

 

Verwaltungsleiter Oliver Kumpf ist es wichtig, dass das Archiv in diesem Sinne modernisiert wird. „Wir konnten mit Stephanie Goethals eine versierte Kreisarchivarin gewinnen, die nicht nur die klassische Archivarbeit sehr gut kennt, sondern auch um die Rolle elektronischer Dokumentenmanagement- und Datenbankstrukturen weiß. Unser Haus will und muss sich in allen Bereichen für die Zukunft gut digital aufstellen, dazu gehört auch das Archiv.“

 

Was nicht ausschließt, dass sich Goethals zum Beispiel weiter um den „Klassiker“ des Archivs, das Jahrbuch „gelurt“, kümmern wird. Die ersten Manuskripte von Heimatforschern liegen schon auf ihrem Tisch. Ihre Vorgängerin Anja Hering, die 30 Jahre lang Kreisarchivarin war und im Februar 2022 in den Ruhestand verabschiedet wurde, hatte das Buch von Anbeginn redigiert und herausgegeben. Nicht nur für die Redaktion des neuen „gelurt“ kann Stephanie Goethals auf den Rat von Anja Hering zurückgreifen.

 

Auch Landrat Frank Matiaske freut sich über die Neubesetzung der Stelle: „Die Arbeit unseres Archivs ist unerlässlich. Mit den Kompetenzen von Frau Goethals wird es seinen festen Platz in unserer Verwaltung, aber auch für die historisch interessierte Öffentlichkeit behalten und für die Zukunft sichern. Das ist auch mir persönlich ein wichtiges Anliegen.“

 

Die neue Kreisarchivarin ist in Südhessen aufgewachsen. Nach dem Abitur studierte sie in Kassel, Brüssel und Heidelberg Agrarökonomie, Romanistik, Geschichte und Historische Hilfswissenschaften. Während ihrer Ausbildung im gehobenen Dienst bei der Stadt Pfungstadt (1992 bis 1995) wurde sie zur praktischen Ausbildung an das Hessische Staatsarchiv Darmstadt beziehungsweise die Archivschule Marburg abgeordnet. 1995 übernahm sie nach der Laufbahnprüfung für den gehobenen Archivdienst die Leitung des Stadtarchivs Pfungstadt und ging dann 2012 zum Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg.

 

„Nun bin ich im Odenwaldkreis“, sagt die Siebenundfünfzigjährige mit Spannung und Vorfreude auf das, was sie an ihrer neuen Arbeitsstelle erwartet. Dass sie nach ihrem Studium keine akademische Laufbahn anstrebte, sondern eine im Archivwesen, begründet sie mit ihrem „großen Interesse an den Grundlagen, den Primärquellen“. Es sei wichtiger denn je, diese Quellen zu sichern und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. „Ich bin überzeugt: Sie geben immer wieder neue Perspektiven, um in Gegenwart und Zukunft neue Wege zu gehen.“

 

 

 

 

 


12.07.2022


LOGOs: EU Sozialfonds,Hessen und EU Investition in die Zukunft, EFS Für Menschen in Hessen