Wolfs-Fachleute vereinbaren länderübergreifenden Austausch

Kompetent: die für den Odenwaldkreis zuständigen Wolfsberater des Landes Hessen, Raina Kessler und Karlheinz Kinzer (mit seinem Hund Baruk)

Zieht ein Wolf durch die Gegend, interessieren ihn Kreis- oder Landesgrenzen nicht. Darum haben sich die für den Wolf zuständigen Fachleute aus Südhessen und den angrenzenden Landkreisen in Bayern und Baden-Württemberg auf einen engeren Meinungs- und Erfahrungsaustausch verständigt. Jüngst haben sie sich zum ersten Mal in Eberbach getroffen – mit dabei waren auch die für den Odenwaldkreis zuständigen Wolfsberater Raina Kessler und Karlheinz Kinzer.

 

„Ein engerer Dialog ist gut für uns alle“, heben sie hervor. „Denn es nicht ausgeschlossen, dass nach 2017 und nach dem Sommer dieses Jahres wieder ein Wolf in unsere Gegend kommt und dabei durch mehrere Landkreise läuft. Dann ist es hilfreich, wenn wir unsere Erkenntnisse schnellstmöglich austauschen.“

 

Kessler und Kinzer arbeiten als Wolfsberater ehrenamtlich für das Land Hessen, nämlich im Rahmen des Wolfsmonitorings beim Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). Sie werden von Tierhaltern gerufen, wenn Tiere gerissen worden sind. Ihre Hauptaufgabe ist es dann, den Tieren DNA-Proben zu entnehmen, damit geklärt werden kann, ob tatsächlich ein Wolf für den Tod der Tiere verantwortlich war. Außer der Entnahme von Proben dokumentieren sie, was sie auf der Weide vorfinden, und achten dabei auch auf den Zustand von Zäunen.

 

„Nicht immer handelt es sich um einen Wolf, wenn Tiere gerissen worden sind“, wissen beide – auch jüngst aus Erfahrungen in den Nachbar-Landkreisen Darmstadt-Dieburg und Bergstraße, in denen sie zu Rate gezogen wurden. Bei dem Wolf, der in Lautertal (Kreis Bergstraße) nachweislich drei Schafe gerissen hatte, handelt es sich wahrscheinlich um denselben Wolf, der davor in Reichelsheim fotografiert worden war. Dann verlor sich seine Spur. Vielleicht ist er gen Süden weitergelaufen – so wie der Wolf, der 2017 durch den Odenwald zog und der später im Schwarzwald nachgewiesen werden konnte.

 

Kessler und Kinzer begutachten auch Fotos, wenn jemand meint, einen Wolf gesehen zu haben. Ist der Verdacht begründet und handelt es sich nicht ganz offensichtlich um einen Hund, nehmen sie Kontakt zur hessischen Wolfsbeauftragten Susanne Jokisch auf, die im HLNUG in Gießen ihren Sitz hat. Auf seiner Internetseite www.hlnug.de bietet das Landesamt vielfältige Informationen über den Wolf in Hessen.

 

Hauptberuflich sind Kessler und Kinzer in der Unteren Naturschutzbehörde des Odenwaldkreises beschäftigt. Landrat Frank Matiaske unterstützt ihre Tätigkeit insofern, als dass sie Termine, die sie als Wolfsberater des Landes haben, in der ihrer Dienstzeit wahrnehmen können – sofern es sich um Einsätze im Odenwaldkreis handelt.

 

Die beiden Wolfsberater plädieren für einen sachlichen Umgang mit dem Thema Wolf. „Der Wolf ist eine von mehreren Tierarten, die zu uns zurückkehren.“ Gleichwohl verstehen sie die Sorgen von Tierhaltern. „Aber sie sind auch in der Pflicht, wenn es um einen möglichst guten Schutz für ihre Tiere geht.“

 

In diesem Zusammenhang hat Landrat Matiaske in einem Brief an Umweltministerin Priska Hinz jüngst für den Ausbau von Fördermöglichkeiten von wolfsabweisenden Zäunen in Hessen nach dem Vorbild Baden-Württembergs plädiert. „Die Schäfer und Weidetierhalter leisten einen wichtigen Beitrag zum Landschaftsschutz im Odenwald. Es darf und kann nicht sein, dass sie letztendlich auf den Kosten für den Schutz ihrer Tiere sitzen bleiben“, hebt Matiaske hervor.

 

Er merkt in seinem Brief an, dass das baden-württembergische Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft vor kurzem seine Förderkulisse zur Wolfsprävention umfassend erweitert habe und nun unter anderem die Anschaffung und Nachrüstung von wolfsabweisenden Zäunen sowie die Sicherung von Offenställen zu 100 Prozent fördere.

 

Eine auskömmliche Förderung der Schutzmaßnahmen für die Tierhalter sei eine zentrale Grundvoraussetzung für die weitere Akzeptanz des Wolfes auch im Odenwaldkreis. „Ich spüre den Gesprächsbedarf der Bevölkerung nach jeder Wolfssichtung, die es bei uns gibt.“ Der Mensch müsse für den Umgang mit dem Wolf sensibilisiert, Ängste müssten ernstgenommen und durch Aufklärung und Schutzmaßnahmen abgebaut werden.

 

Hinweis:

 

Zu erreichen sind Raina Kessler unter der Telefonnummer 01511 180 43 29 und Karlheinz Kinzer unter der Telefonnummer 0170 914 13 54.

 

 

 

 

 


31.07.2020


LOGOs: EU Sozialfonds,Hessen und EU Investition in die Zukunft, EFS Für Menschen in Hessen