Landrat tritt Behauptung der Kassenärztlichen Vereinigung entgegen

Landrat Frank Matiaske ist der von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen aufgestellten Behauptung entgegengetreten, der Odenwaldkreis stelle einen Zusammenhang zwischen einem fehlenden Corona-Testzentrum und der Zahl der an oder mit dem Virus Verstorbenen her. „Ja, ich habe von Anfang an moniert, dass die KV kein Testzentrum bei uns eingerichtet hat, aber nie gesagt, dass deswegen mehr Menschen an oder mit dem Virus gestorben sind als andernorts. Wenn jemand meine Kritik so aufgefasst hat, dann ist das eine persönliche Interpretation des Betreffenden.“

 

Mit dem heftigen Angriff gegen den Kreis und gegen ihn persönlich setze die Geschäftsführung der KV einen „unterirdischen Kommunikationsstil“ gegenüber den Kommunen fort, die sich kritisch gegenüber der Vereinigung geäußert hätten, so Matiaske. „Hilfreich wäre es, gemeinsam Lösungen zu finden.“

 

Es sei ihm allein darum gegangen, dass auch die Odenwälderinnen und Odenwälder eine wohnortnahe Möglichkeit für einen Corona-Test hätten haben müssen. Der Odenwaldkreis habe von Anfang an seine Mitwirkung an einer solchen Einrichtung signalisiert und gemeinsam mit der Stadt Erbach Örtlichkeiten und Equipment angeboten. „Das aber wollte die KV nicht.“

 

Die Auffassung der KV, dass fast jeder Bürger Hessens innerhalb eines Radius von 30 km ein Testcenter erreichen könne, stimme für den Odenwaldkreis nun einmal nur sehr eingeschränkt, konstatiert Matiaske. Lediglich die Bürgerinnen und Bürger des Gersprenztals müssten weniger als 30 Kilometer nach Darmstadt beziehungsweise Heppenheim fahren. „Der Rest der Bevölkerung, die Mehrheit im Kreis, hat es weiter, viele mit Fahrzeiten, die deutlich über einer Stunde mit dem eigenen Fahrzeug liegen.“ Das sei der Kern seiner Kritik gewesen und für ihn nach wie vor ein unhaltbarer Zustand.

 

Die von der KV in ihrer Mitteilung angestellten Vergleiche mit anderen Landkreisen nannte Matiaske „wenig zielführend und alle Fakten ignorierend“, denn es gebe in ganz Deutschland und darüber hinaus besonders betroffene Regionen und andere, die es nicht seien. Dafür hätten Mediziner weltweit keine Erklärung. „Dies sollte eigentlich auch der KV bekannt sein.“

 

Wie deutlich die Vergleiche hinken, wird für Matiaske schon daran deutlich, dass die KV darauf verweist, dass auch der Landkreis Darmstadt-Dieburg kein Testzentrum habe. Ein Blick auf die Landkarte reiche aus, um zu erkennen, dass die kreisfreie Stadt Darmstadt mitten in dem sie umgebenden Landkreis Darmstadt-Dieburg liege, große Teile der Kreisverwaltung seien sogar auf dem Gebiet der Stadt Darmstadt angesiedelt.  

 

Auf den Verweis der KV, dass der Odenwaldkreis einen Fahrdienst nicht genutzt habe, der das gleiche Versorgungs- und Testangebot beinhaltet habe wie die Testzentren, entgegnete Matiaske: „Hier hätte früher Klarheit herrschen müssen.“ Mitte April habe das Gesundheitsamt vom Testzentrum in Heppenheim die Auskunft bekommen, dass dieser Dienst lediglich den Vorderen Odenwald abdecke. Erst Mitte Mai hieß es dann, dass das Angebot auch für den Odenwaldkreis zur Verfügung stehe. „Da war die erste heftige Welle der Pandemie längst durch.“

 

Verwundert zeigt sich der Landrat über die Wortwahl der KV, die vom Odenwaldkreis als „Todeszone“ spricht. „Wer als Mediziner so zynisch redet, zeigt leider nur wenig Empathie – weder mit den Verstorbenen und ihren Angehörigen, noch gegenüber den Pflegekräften in Altenheimen, den Mitarbeitern im Krankenhaus und Gesundheitsamt und gegenüber den niedergelassenen Ärzten, mit denen der Odenwaldkreis in engem Kontakt steht.“


20.07.2020


LOGOs: EU Sozialfonds,Hessen und EU Investition in die Zukunft, EFS Für Menschen in Hessen