Maßnahme „Qualifizierung für Frauen“ verändert Lebensstrukturen

Bei der Maßnahme „Qualifizierung für Frauen“ werden unter anderem in Praktika nötige Kenntnisse vermittelt. Teilnehmerin Ilmie Impram Oglou absolvierte ihr Praktikum erfolgreich im Friseurbetrieb "Goldene Schere" (Höchst). Inhaber Rafet Sarikaya stellt sich zur Verfügung, um ihr das richtige Haarewaschen zu zeigen. Der Inhaber und die Praktikantin sind ohne Mundschutz zu sehen, weil das Praktikum vor dem Corona-Lockdown gewesen ist, also zu einer Zeit, in der es die Maskenpflicht noch nicht gab. Foto: Simone Gunkelmann, Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft

Frauen brauchen oft ganz individuelle Lösungen, um einen passenden Arbeitsplatz zu finden, da sie zum Teil besondere Hintergründe mitbringen: Kinderbetreuung und Arbeitszeiten sind unter einen Hut zu bringen, lange Familienpausen machen den Anschluss schwerer, sehr junge Mütter konnten ihre Ausbildung nicht abschließen, um nur einige zu nennen.

 

Um Frauen dabei zu unterstützen, trotzdem den Weg ins Berufsleben (wieder) zu finden, hat das Kommunale Job-Center (KJC) des Odenwaldkreises in Kooperation mit dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft (BWHW) die Maßnahme „Qualifizierung für Frauen“ initiiert. Mit Hilfe dieses Programms sollen Frauen zwischen 18 und 60 Jahren, die auf Grund von Herkunft oder Familiensituation keine berufliche Qualifizierung haben, diese nachholen können. Dabei stehen je nach persönlichem Interesse Wege in die Pflege, Gastronomie oder ins Handwerk offen.

 

Während der Maßnahme werden zwei verschiedene Aspekte behandelt: Zum einen werden gemeinsam mit den Teilnehmerinnen die Rahmenbedingungen für die Aufnahme einer Arbeit geschaffen. Dabei geht es um Themen wie Kinderbetreuung, Wohnsituation oder Mobilität. Diese sozialen Rahmenbedingungen „unter die Lupe“ zu nehmen und zu optimieren, erfordert viel Fingerspitzengefühl und Sensibilität von den zuständigen Mitarbeitenden des BWHW, Simone Gunkelmann und Frank Schwalm. Im Bereich Kinderbetreuung können sie dabei auf eine besondere Lösung zurückgreifen: Bis das passende Angebot gefunden wurde, werden die Kinder der Teilnehmerinnen in einem extra dafür eingerichteten Raum beim BWHW von einer Sozialpädagogin betreut.

 

Zweiter Schwerpunkt des Programms ist, die Frauen so zu qualifizieren, dass ein Berufseinstieg möglich ist. Dazu wurden Qualifizierungsbausteine für verschiedene Berufe aus dem Handwerk, dem medizinischen und pflegerischen Bereich oder der Gastronomie und Hotellerie erarbeitetet und von der Handwerkskammer, der Industrie- und Handelskammer oder der Ärztekammer zertifiziert. Die praktischen Kenntnisse werden dabei direkt in Betrieben im Rahmen von Praktika vermittelt oder in den hausinternen BWHW-Fachbereichen Hauswirtschaft/Küche und Holzwerkstatt.

 

„Qualifizierung für Frauen“ erstreckte sich über acht Monate mit einer wöchentlichen Präsenzzeit von 30 Stunden. Acht Monate, in denen die Lebensstrukturen der Teilnehmerinnen vollkommen verändert werden. Ein Punkt, der den beruflichen Wiedereinstieg von Frauen und Männern oft unterscheidet. Damit das funktioniert, werden den Teilnehmerinnen auch wichtige Schlüsselkompetenzen vermittelt. Dass sich das positiv auf das Leben jeder einzelnen auswirkt beobachtet Frank Schwalm: „Selbstbewusstsein, Lebensfreude und auch Teamfähigkeit haben sich bei allen deutlich gesteigert.“

 

Ein neues Leben in der Berufstätigkeit und optimierter Selbstorganisation sind die Ziele, die die Teilnehmerinnen nach der Maßnahme weiterverfolgen. Drei von Ihnen planen eine Ausbildung zur zahnmedizinischen Fachangestellten, wurden dabei aber leider von der Corona-Pandemie etwas ausgebremst. Da während der Einschränkungen zur Eindämmung des Virus kein Unterricht möglich war, können sie die benötigte Qualifizierung erst in den nächsten Wochen erwerben.

 


07.07.2020


LOGOs: EU Sozialfonds,Hessen und EU Investition in die Zukunft, EFS Für Menschen in Hessen