Grobeis: Schulen können noch mehr Lust auf Berufe machen

Freuen sich über eine gelungene Fachtagung zur Berufsorientierung von Schülern: Schuldezernent Oliver Grobeis und die OloV-Beauftragte der Kreisverwaltung, Maria Zeitler, im Kloster Höchst.

Sieht Handlungsbedarf in der schulischen Berufsorientierung: die Erziehungswissenschaftlerin Dr. Katja Driesel-Lange bei ihrem Vortrag im Kloster Höchst.

Die Erziehungswissenschaftlerin Dr. Katja Driesel-Lange hat mehr individuelle Unterstützung von Schülerinnen und Schülern bei der Berufsorientierung gefordert. Außerdem bräuchten sie eine gezielte Hilfe bei der Nutzung entsprechender Angebote in digitalen Medien. Bisher sei das Zugehen auf einzelne Jugendliche und die Berücksichtigung ihrer Lebenssituation unzureichend, sagte sie jüngst vor gut 120 Vertreterinnen und Vertretern von Schulen, der Wirtschaft sowie der Agentur für Arbeit und von Job-Centern aus dem Odenwaldkreis und dem Kreis Bergstraße im Kloster Höchst. „Die Angebote in digitalen Medien sind oft nicht bekannt oder nicht jugendgerecht“, fügte sie hinzu. Es müsse überlegt werden, wie sie „fruchtbar gemacht werden können“.

 

Zu dem Fachtag hatten die beiden Kreise sowie das für sie zuständige Staatliche Schulamt eingeladen. Er fand im Rahmen des hessischen OloV-Programms statt. OloV steht für „Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit im Übergang Schule – Beruf“. Die OloV-Beauftragte der Odenwälder Kreisverwaltung, Maria Zeitler, hatte die Tagung gemeinsam mit ihren Kollegen des Kreises Bergstraße und den OloV-Ansprechpartnern im Staatlichen Schulamt vorbereitet.

 

Rainer Kilian, der Leiter des Staatlichen Schulamts, betonte die Rolle der Schulen, bei denen die Gesamtverantwortung für die Berufliche Orientierung liege. Oliver Grobeis, Erster Kreisbeigeordneter und Schuldezernent des Odenwaldkreises, sagte, in den vergangenen Jahren sei in der Berufsvorbereitung viel geschehen – „mit Erfolg“. Er verwies beispielhaft auf verschiedene Berufsorientierungstage sowie auf Ausbildungspaten und sprach sich gegen neue Projekte aus – vielmehr müsse das Vorhandene weiterentwickelt werden: „Die Schulen können noch mehr Lust auf Berufe machen.“ Volker Buser, Kreisbeigeordneter des Kreises Bergstraße, würdigte die Zusammenarbeit von Schulen, den Kammern und der Agentur für Arbeit, die den Schülerinnen und Schülern zugutekomme.

 

Wilfried Schulz, der Leiter des Beruflichen Schulzentrums Odenwaldkreis (BSO) in Michelstadt, bezeichnete die „individuelle Ansprache“ als einen Schlüssel der Berufsorientierung von Schülerinnen und Schülern. Das werde am BSO praktiziert, verbunden mit konkreten Angeboten. Heidi Adam, Leiterin der Schule am Sportpark in Erbach, einer Integrierten Gesamtschule, verwies auf entsprechende Anstrengungen ihrer Schule, in der es zum Beispiel eine Berufseinstiegsbegleitung gebe, die einzelne Schülerinnen und Schüler im Blick habe.

 

Damit die in der Schule am Sportpark vorhandenen Werkstätten gut genutzt werden und Schülerinnen und Schüler so verschiedene Berufe kennenlernen können, arbeitet die Schule eng mit dem BSO zusammen. In den eigenen Räumen bietet das BSO Gelegenheit zur Berufsorientierung für Schülerinnen und Schüler anderer Schulen. Das soll nach den Worten von Schulz ausgeweitet werden. Adam plant, die Fortbildung für Lehrerinnen und Lehrer in punkto Berufsorientierung auszubauen.

 

Driesel-Lange, die an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster arbeitet, hält eine stärkere Qualifizierung aller Akteure im Übergang von der Schule in den Beruf für erforderlich, gerade mit Blick auf ein stärkeres individuelles Zugehen auf die Schülerinnen und Schüler. Sie warb außerdem für die Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams. Sie betonte den großen Einfluss von Lehrerinnen und Lehrern: Die Art und Weise, in der sie Schülerinnen und Schüler unterstützten, beeinflusse die Wirksamkeit von Angeboten. Auch die Eltern spielten eine wichtige Rolle, nicht zuletzt in der sozialen Unterstützung ihrer Kinder, um mögliche negative Erfahrungen in der Berufsorientierung abfedern zu können.

 

Die Zusammenarbeit von Eltern und Schulen war auch das Thema eines Workshops, den die Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer besuchen konnten. Andere Gruppen befassten sich beispielsweise mit der Kooperation von Schule und Wirtschaft, der Berufsorientierung im Gymnasium und der Berufsorientierung mit der Hilfe neuer Medien. Die unterschiedlichen Bedarfe der Lehrkräfte aus verschiedenen Schulformen und Institutionen konnte dank der Vielfalt der Themen in den elf Workshops gut abgedeckt werden. Eine Teilnehmerin sagte, es habe spannende Anregungen gegeben, „die wir auch aufgrund der Praxisorientierung mit in unsere Schulen nehmen können“.

 

Auch Schülerinnen und Schüler nahmen an einem Workshop teil und teilten ihre Erfahrungen mit Orientierungs-Angeboten mit. Ihnen sind unter anderem mehr Praktika wichtig, für die sie sich aber auch eine gute Vor- und Nachbereitung wünschen, damit sie ihre Fähigkeiten und Stärken besser entdecken und einschätzen können. Von den Lehrkräften wünschen sie sich mehr individuelle Begleitung.


16.04.2019


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