Rettungsaktion für das Kimbacher Moorglöckchen

Spurensuche: Alina Goll von der Abteilung Landschaftspflege und Naturschutz der Kreisverwaltung (Mitte) schaut sich mit Gerhard Germann und Andrea Aurich vom Naturschutzzentrum Odenwald – Stiftung Georg Raitz an einem Grabenlauf bei Kimbach einen Standort des Efeu-Moorglöckchens an. Foto: Kreisverwaltung

Schön anzusehen: Das Bild zeigt, wie das Efeu-Moorglöcken blüht. Das Foto stammt aus dem Jahr 2015. Derzeit hat die Pflanze keine Blütenstände, weil ihr Gesamtzustand zu schlecht ist. Foto: Dr. Markus Sonnberger

Für das zarte Efeu-Moorglöckchen geht es um alles. Es steht in Hessen auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Außer bei Mörfelden-Walldorf und im Taunus kommt die Pflanze lediglich im Odenwald vor. Und dort auch nur ein einziges Mal: im Areal „An der Vorderbach“ in Kimbach, einem Stadtteil von Bad König. Alina Goll von der Abteilung Landschaftspflege und Naturschutz der Kreisverwaltung weiß: „Nur durch gezielte Schutz- und Pflegemaßnahmen kann dieses letzte Vorkommen im Odenwald gesichert werden.“

 

Gesagt, getan: Gemeinsam mit dem in Kimbach ansässigen Naturschutzzentrum Odenwald – Stiftung Georg Raitz, kurz NZO, stellte Goll beim Land Hessen einen Förderantrag und bekam eine Zusage in Höhe von insgesamt 20.000 Euro. Mit dem Geld aus Mitteln der Hessischen Biodiversitätsstrategie können nun bis zum Jahr 2021 Vorhaben zugunsten der bedrohten Pflanze finanziert werden. Darüber freut sich auch Gerhard Germann, der Leiter des Naturschutzzentrums, das sich seit geraumer Zeit um das Kimbacher Moorglöckchen kümmert: „Jetzt gibt es neue Möglichkeiten, die Pflanze nachhaltig unter Schutz zu stellen.“

 

Goll, Germann und dessen Stellvertreterin Andrea Aurich veranschaulichen vor Ort, was dafür alles getan werden muss. Zu der Projektfläche, die von Wald und von Äckern umgeben ist, gehören ein Waldstück sowie eine angrenzende Feucht- und eine Trockenwiese. Nötig sind zum Beispiel eine regelmäßige Mahd der Grünflächen und die Entfernung von Brombeergestrüpp, womit bereits begonnen worden ist. „Die Brombeerhecken, aber auch Binsen und Farne würden das Moorglöckchen im Wachstum behindern“, erläutert Goll. Die Pflanze braucht außerdem ein niedermoorartiges Umfeld. Zu diesem Zweck soll ab August das Wasser des Vorderbachs an einigen Stellen aufgestaut werden – sowohl im Wald selbst als auch im Grabenlauf, der durch die benachbarte Feuchtwiese führt. Außerdem werden im Herbst einige Fichten entfernt, damit diejenigen Moorglöckchen, die im Wald stehen, mehr Licht bekommen. Es handelt sich um Bäume, die ohnehin in einem schlechten Zustand sind. Alle Pflegemaßnahmen sind mit der Unteren Naturschutzbehörde abgesprochen.

 

Finanziell am stärksten zu Buche schlägt der Kauf einer 7000 Quadratmeter großen Fläche, der kurz vor dem Abschluss steht. Das Gelände ist für das Projekt ebenfalls von großer Bedeutung. Es wird derzeit extensiv bewirtschaftet, das heißt es wird auf Dünge- und Pflanzenschutzmittel verzichtet, was dem Efeu-Moorglöckchen hilft. „Dieses Areal ist ein wichtiger Puffer zum angrenzenden intensiv genutzten Grünland. Durch den Erwerb ist der Standort dauerhaft gesichert“, hebt Goll hervor. Käufer des Grundstücks wird das Naturschutzzentrum Odenwald. Als Verpächter kann das Zentrum die weitere extensive Nutzung des Areals dauerhaft sichern.

 

Derzeit muss man schon ganz genau hinschauen, um ein Efeu-Moorglöckchen zu finden. Eigentlich müsste die Pflanze gerade blühen, aber aufgrund ihres schlechten Gesamtzustands und der großen Trockenheit gibt es derzeit keine Blütenstände. „Sie ist aber recht robust“, schildert Goll. Die Landschaftspflegerin setzt darauf, dass die Samen, die sich im Erdreich befinden, aufgehen, sobald die Pflegemaßnahmen greifen. Gemeinsam mit Germann und Aurich freut sich Goll darüber, dass auch andere schützenswerte Biotope von dem Projekt profitieren, zum Beispiel Nester von Wiesen- und von Waldameisen, gefährdete Käferarten und Pflanzen wie Torfmoos und Sumpfveilchen. Goll schließt nicht aus, das Efeu-Moorglöckchen auch in anderen Gegenden des Odenwaldkreises anzusiedeln, wenn die Maßnahmen in Kimbach erfolgreich sind.

 

Die Abteilung Landschaftspflege und Naturschutz, in der Goll arbeitet, gehört zur Hauptabteilung Ländlicher Raum, Veterinärwesen und Verbraucherschutz, die ihren Sitz in Reichelsheim hat. Das NZO – Stiftung Georg Raitz ist nach einem Kimbacher Naturschützer benannt, der verfügt hatte, dass sein Wohnhaus dem Naturschutz dienen sollte. Nach seinem Tod im Jahr 1999 entschied die als Erbin eingesetzte Stadt Bad König, eine Stiftung zu gründen. Das Zentrum bietet unterschiedliche Veranstaltungen zur Förderung des Naturschutzes, der Landschaftspflege sowie zur Erziehung zum artgerechten Umgang mit der heimischen Flora und Fauna an und dient als Treffpunkt für im Naturschutz tätige Verbände, die es finanziell unterstützen. Gleichwohl ist es auf weitere Spenden angewiesen. „Im Odenwaldkreis wird bereits viel für den Naturschutz getan, aber er hat noch mehr Förderer verdient“, so Germann.

 

 

 


30.07.2018


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