Jugendamt sucht dringend Eltern für Bereitschaftspflege

Wenn ein Kind nicht mehr bei seinen leiblichen Eltern bleiben kann, ist Schlimmes passiert. Entweder waren Eltern mit der Erziehung stark überfordert und brauchen Unterstützung oder Kinder wurden vernachlässigt. Das Jugendamt nimmt solche Kinder in Obhut und bringt sie bei Pflegeeltern unter, bis klar ist, wie es weitergeht. Bereitschaftspflege heißt diese Art der befristeten Aufnahme – im Gegensatz zur Dauerpflege, in der sich Eltern permanent um ein Kind kümmern.

 

Der Pflegekinderdienst im Jugendamt des Odenwaldkreises sucht dringend Eltern für die Bereitschaftspflege. „Wir haben derzeit so gut wie keine freien Kapazitäten mehr“, sagt Karina Glabisch, die Leiterin der Abteilung Besondere Jugendhilfe, zu der der Pflegekinderdienst gehört. Derzeit leben vier Kinder bei Bereitschaftspflege-Eltern.

 

Im Prinzip sind für eine Bereitschaftspflege alle Familienkonstellationen möglich – Paare müssen nicht verheiratet sein, auch Alleinstehende oder gleichgeschlechtliche Paare können sich bewerben. Für die Aufnahme eines Kindes gibt es vom Jugendamt über festgelegte Tagessätze einen finanziellen Ausgleich. „Aber die Interessenten müssen ihren Lebensunterhalt unabhängig davon selbst bestreiten können“, heben Tanja Thomasberger und Claudia Gölz-Friedrich vom Pflegekinderdienst hervor. „Einer der Partner sollte nicht berufstätig, sondern  zuhause sein“, fügen sie hinzu. „Denn mitunter sind viele Gespräche nötig oder Besuche beim Kinderarzt. Da ist eine gewisse Flexibilität gut.“

 

Ziel des Pflegekinderdienstes ist es, alle Kinder bis zum Alter von zwölf Jahren in Familien unterzubringen. Andernfalls müssen sie in ein Heim gebracht werden. Eltern, die sich vorstellen können, ein Kind bei sich aufzunehmen, werden in einem Vorbereitungsseminar geschult. Außerdem machen Thomasberger oder Gölz-Friedrich einen Hausbesuch, um sich die Situation vor Ort anzuschauen. Der Zeitraum, in dem die Kinder in der Bereitschaftspflege bleiben, kann von wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten dauern – je nachdem, wann ein Kind zu seinen leiblichen Eltern zurückgehen kann oder ein Platz in einer Dauerpflege gefunden wurde. „Bereitschaftspflege-Eltern berichten immer wieder davon, wie sehr sie ihre Arbeit erfüllt, denn sie tragen dazu bei, dass Kinder wieder zur Ruhe kommen können“, hebt Glabisch hervor.

 

Wer Interesse an der Bereitschaftspflege hat, kann sich bei Tanja Thomasberger (Telefonnummer 06062 70-412, E-Mail-Adresse t.thomasberger@odenwaldkreis.de) oder Claudia Gölz-Friedrich (06062 70-398, c.goelz-friedrich@odenwaldkreis.de) melden.


07.06.2018


LOGOs: EU Sozialfonds,Hessen und EU Investition in die Zukunft, EFS Für Menschen in Hessen