Abschluss der großen Strick-Kampagne findet in Erbach auf dem Marktplatz statt

Kampagnenfähig: Petra Karg, Gleichstellungsbeauftragte des Odenwaldkreises, zeigt einige der fertigen Decken auf dem Erbacher Marktplatz, die bei der Aktion „Wir stricken unser Leben“ entstanden. Sie werden dort gemeinsam mit zahlreichen anderen Decken am 17. Juni ausgelegt und zugunsten des Frauenhauses verkauft.

Die Blicke der Fußballfans sind am Sonntag, 17. Juni, nach Moskau gerichtet, wenn die deutsche Mannschaft um 17 Uhr ihr erstes Weltmeisterschaftsspiel bestreitet. Vorher aber sollte das Interesse vieler Menschen einer Veranstaltung in Erbach gelten: Ab 14 Uhr werden auf dem Marktplatz vor dem Schloss selbst hergestellte Decken zugunsten des Frauenhauses Erbach verkauft, ergänzt durch ein buntes Programm, das von 15 Uhr bis 16.30 Uhr dauert.

 

Mehr als ein Jahr hat Petra Karg, die Gleichstellungsbeauftragte des Odenwaldkreises, auf diesen Tag hingearbeitet, der die Aktion „Wir stricken unser Leben“ abschließt. Die Kampagne wurde von der Frauenkommission des Odenwaldkreises und mehreren Partnerorganisationen mitgetragen, etwa den Landfrauen und dem Rat der Religionen.

 

Karg hatte die Aktion am Internationalen Frauentag im März 2017 ins Leben gerufen, um Frauen miteinander ins Gespräch zu bringen und sie über das Stricken dazu zu ermutigen, die Fäden ihres Lebens in die Hand zu nehmen und sich von Bevormundung oder von Gewalt freizumachen. Jede vierte Frau in Deutschland leide unter häuslicher Gewalt, und zwar in allen gesellschaftlichen Gruppen, Schichten und Nationalitäten, so Karg. „Wir möchten, dass jede Frau erkennt: Ich kann meinen Lebensweg selbst gestalten und muss nicht zum Opfer werden.“

 

In den vergangenen Monaten strickten oder häkelten rund 250 Teilnehmerinnen 50 mal 50 Zentimeter große Quadrate, die Karg und ihrer Mitstreiterinnen zu kleinen Decken und Ponchos zusammennähten. Sie werden nun zum Stückpreis von 25 Euro auf dem Erbacher Marktplatz verkauft. Durch das Zusammennähen der Woll- und Stoff-Quadrate soll die Zusammengehörigkeit von Frauen symbolisiert werden und die Bedeutung von Schutz und Geborgenheit für jene, die unter Gewalt leiden müssen. Rund 900 Quadrate waren zusammengekommen. Zu Decken zusammengenäht, werden sie auf dem Schlossplatz eine Fläche von mehr als 200 Quadratmetern bilden.

 

„Ein großer Erfolg“, sagt Karg. „Das Thema, dass jede und jeder ihr und sein Leben selbst in der Hand hat, ist durch die alters-, nationalitäten- und konfessionsübergreifende Kampagne weit in die Bevölkerung hereingetragen worden“, resümiert Karg. Verbunden wurde die Kampagne  mit der Aktion „Gewalt kommt mir nicht in die Tüte“, die der Arbeitskreis „Gegen häusliche Gewalt“ im November 2017 gemeinsam mit mehreren Bäckereien in Odenwaldkreis veranstaltete.

 

Vorbild der Kampagne „Wir stricken unser Leben“ ist eine Idee der Stadt Brescia in Norditalien. Dort lautete der Name der Initiative „Viva Vittoria“. Karg hatte sie 2016 kennengelernt. Sie freut sich, dass auch Vertreterinnen aus Brescia an der großen Abschlussveranstaltung auf dem Erbacher Marktplatz teilnehmen. Eröffnet wird sie um 15 Uhr durch Landrat Frank Matiaske. Nach ihm werden Anni Resch, die Vorsitzende der Frauenkommission des Odenwaldkreises, und Petra Karg sprechen. Schülerinnen und Schüler der Ernst-Göbel-Schule aus Höchst spielen Musik und führen kurze Stücke auf.

 

 

 


15.06.2018


LOGOs: EU Sozialfonds,Hessen und EU Investition in die Zukunft, EFS Für Menschen in Hessen